
Zebra-EM-Update: Zweiter Hauptrunden-Spieltag aus Sicht der Kieler Handball-Stars
Acht von ursprünglich zehn Zebras können bei der EHF EURO 2026 in Dänemark, Schweden und Norwegen noch von Medaillen träumen. Am zweiten Hauptrunden-Spieltag gab es für die Stars des THW Kiel mit ihren Nationalmannschaften viel zu jubeln.
Andreas Wolffs galaktische Leistung gegen Norwegen
Überragend, überragender, galaktisch: Andreas Wolff hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen Co-Gastgeber Norwegen zum zweiten Hauptrunden-Sieg geführt. Vor den finalen Duellen mit dem Top-Favoriten Dänemark am Montag und dem Titelverteidiger Frankreich am Mittwoch steht die deutsche Mannschaft auf Platz eins der Hauptrunden-Gruppe I und darf weiter vom Halbfinale träumen.
Am Ende von 60 packenden Minuten, die auf beiden Seiten von den Torhütern dominiert wurde und in denen beide Cheftrainer mit der Abschlusschwäche des eigenen Angriffes haderten, jubelte nur die Schwarz-Rot-Gold: Mit 30:28 (15:17) gewann die DHB-Auswahl, in der jeder wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte: Beim Kieler Torhüter Andreas Wolff, der sage und schreibe 22 Paraden zeigte und mit 44 Prozent gehaltener Würfe eine schier außerirdische Leistung auf das Parkett zauberte. Wolff, zum "Man of the match" gewählt, ließ seine Gegner reihenweise verzweifeln - allen voran die norwegischen Linkshänder und Ex-Zebra Sander Sagosen, der nur fünf Tore aus 13 Würfen erzielte.
Damit war Sagosen gemeinsam mit Linksaußen August Pedersen und Rechtsaußen Kevin Gulliksen bester Torschütze seiner Mannschaft, die sich vor allen Dingen im ersten Durchgang auf Torhüter Torbjörn Bergerud verlassen konnte, der zehn Paraden in den ersten 30 Minuten auf seinem Statistikbogen vereinen konnte und maßgeblich dafür war, dass seine Mannschaft mit einer 17:15-Führung in die Pause ging. Rune Dahmke erzielte das letzte deutsche Tor vor der Pause. Nach dem Wechsel blieb es eng umkämpft, weil beide Offensivreihen reihenweise Chancen liegen ließen. Lukas Zerbe traf beim 20:19 (40.) zur ersten deutschen Führung nach seinem 13:12 (25.), die die Norweger aber postwendend noch einmal konterten. Sechs gegentorlose Minuten und ein nun aufdrehender Marko Grgic im DHB-Angriff reichten dann, um den Sieg unter Dach und Fach zu bringn: Mit einem 6:0-Lauf, vier Treffer davon erzielte Grgic, zog Deutschland auf 26:21 davon (49.) und rettete diese Führung gegen wütend anrennende Norweger ins Ziel.
Dänemark schlägt Spanien
Der Gastgeber und Top-Favorit auf den Titel ist wieder komplett in der Spur: Gegen Spanien feierten die Dänen und ihre 15.000 enthusiastischen Fans einen 36:31 (16:14)-Erfolg, der nicht zuletzt dem "Man of the match" Emil Nielsen im Kasten der Rot-Weißen zu verdanken war. Mit 14 Paraden gewann er das Torhüter-Duell mit Spaniens Dergey Hernandez (7 Paraden) klar und legte so den Grundstein zum wichtigen Erfolg der Dänen. Bei diesen kam Zebra-Linksaußen Magnus Landin erneut eine Halbzeit zum Einsatz und traf einmal. Bester Torschütze Dänemarks war Emil Jakobsen mit 8/5 Treffern. Für die Spanier war der junge Marcos Fis - Sohn des ehemaligen Kieler Rückraumspielers Julio, der mit den Zebras Deutscher Meister und EHF-Pokalsieger 2002 wurde (Spielerporträt im THW-Archiv) - mit neun Treffern aus elf Versuchen am erfolgreichsten. Im dritten Spiel der Hauptrundengruppe I schlugen die überragenden Franzosen die Auswahl Portugals nach einer Demonstration im ersten Durchgang, die in einer 28:15 (!)-Halbzeitführung gipfelte, mit 46:38.
Kroatien schlägt die Schweiz
Dramatik in der Hauptrundengruppe II in Malmö: Beim einzigen direkten Zebra-Duell am zweiten Hauptrunden-Spieltag hat sich Veron Nacinovic mit Kroatien gegen Lukas Laubes Schweizer durchgesetzt. Der 28:24-Erfolg der Kroaten ließ das Feld derjenigen, die sich Hoffnungen auf das Halbfinale machen können, noch einmal wachsen: Gleich vier Teams stehen mit vier Punkten an der Tabellenspitze - die Gruppe II steuert auf ein Fotofinish zu. Nach einem 4:0-Blitzstart der Schweizer bekamen die Kroaten die Partie Stück für Stück in den Griff, auch wenn Luka Cindric erst in der zehnten Minute das erste kroatische Tor gelang. Bis zur Pause hatten die Kroaten, bei denen Veron Nacinovic 23 Minuten eingesetzt wurde, eine 13:11-Führung herausgeworfen, die sie nach Wiederanpfiff erstmals auf vier Tore Unterschied (40.), dann sogar auf fünf Treffer Differenz (42.) erhöhten. Auch zwei Tore des in dieser Phase 14 Minuten eingesetzten Lukas Laube konnten nicht verhindern, dass die Kroaten einem sicheren Sieg entgegensahen. Zwar verkürzte Zehnder noch einmal auf 22:24 (52.), doch ein 3:0-Lauf sorgte am Ende für die Entscheidung. Die Schweiz muss nun die beiden ausstehenden Hauptrunden-Partien gegen Island und Schweden gewinnen, um noch eine theoretische Chance auf das Halbfinale zu haben. Für Kroatien sieht es besser aus: Sie können in den ausstehenden Begegnungen gegen Slowenien und Ungarn den Halbfinal-Einzug noch aus eigener Kraft schaffen.
Niederlage für Schweden
Dass es in Malmö eine Nervenschlacht um den Halbfinaleinzug gibt, liegt auch an den Isländern: Sie zeigten sich von der Hauptrunden-Auftaktniederlage gegen Kroatien gut erholt und sorgten mit dem 35:27-Erfolg gegen Co-Gastgeber und Mitfavorit Schweden für ein Ausrufezeichen. Die Schweden kamen vor 9643 Fans überhaupt nicht ins Spiel, mussten nach ausgeglichener Anfangsphase früh abreißen lassen. Und das auch, weil Viktor Hallgrimsson das Torhüterduell mit zwölf Paraden gegen sieben des schwedischen Gespanns klar gewann - und "man of the match" Viggo Kristjansson, der elf Tore aus elf Versuchen erzielte, nicht zu stoppen war. Zur Pause führte Island mit 18:12, ehe die Schweden um den Kieler Eric Johansson, 24 Minuten eingesetzt und viermal erfolgreich, es doch noch spannend machten. Beim 22:23 (45.) waren sie wieder dran, ehe ein 4:1-Lauf der Isländer die Vorentscheidung brachte.
Ungarn verliert gegen Slowenien
Jetzt wird es schwer für die ungarische Nationalmannschaft: Gegen Slowenien kassierten die Magyaren eine 32:35-Niederlage, die die von "Bald-Kieler" Domen Makuc (4 Tore) angeführte Mannschaft zum heißen Halbfinal-Kandidaten macht. Für Ungarn reichte es trotz einer überragenden Vorstellung von THW-Rechtsaußen Bence Imre, der in 46 Minuten Spielzeit achtmal aus acht Versuchen ins Tor traf, nicht zu einem Sieg, obwohl man zur Pause noch mit 17:15 vorn gelegen hatte. Allerdings verschliefen die Ungarn den Neustart nach Wiederanpfiff, kassierten einen 0:3-Lauf und gerieten so ins Hintertreffen, auch wenn die Begegnung bis in die Schlusssekunden hinein hart umkämpft blieb: Nach einem Fazekas-Doppelschlag zum 32:33 (59.) besiegelte dann Jovicic den Erfolg für Slowenien.
Montag spannende Duelle in Hauptrunden-Gruppe I
Montag kommt es nun für die deutsche Mannschaft zum Duell mit dem Top-Favoriten Dänemark. Los geht’s um 20:30 Uhr, Dyn und die ARD übertragen live. In den weiteren Begegnungen ohne Kieler Beteiligung treffen in der Hauptrundengruppe I zuvor Portugal und Norwegen (15:30 Uhr, live bei Dyn und unter www.sportschau.de) sowie Frankreich und Spanien (18 Uhr) aufeinander. Diese Begegnung wird live bei Dyn übertragen und ist im kostenlosen Stream unter www.zdf.de ebenfalls zu sehen.
Fotos: Sascha Klahn












