
Zebra-EM-Update: Packender erster Hauptrunden-Spieltag aus Kieler Sicht
Acht Zebras stehen in der Hauptrunde der Handball-Europameisterschaft in Dänemark, Norwegen und Schweden. Und gleich am ersten Hauptrunden-Spieltag lieferten sie sich packende Duelle, die wir aus Sicht der THW Kiel-Spieler zusammenfassen.
Deutschland setzt sich an die Spitze
Was für ein Hauptrunden-Auftakt der deutschen Handball-Nationalmannschaft! Gegen Portugal nahm das Team von Bundestrainer Alfred Gislason erfolgreich Revanche für das Viertelfinal-Aus bei der letztjährigen WM und setzte sich durch den hart erkämpften, aber verdienten 32:30-Sieg an die Spitze der Hauptrundengruppe I. Vor offiziell 6145 Zuschauern in Herning waren der siebenfache Torschütze Miro Schluroff und Andreas Wolff, der 13 Würfe hielt und zurecht zum "Man of the match" gewählt wurde, die Garanten für den Erfolg. Diesen tütete der nervenstarke Kieler Rechtsaußen Lukas Zerbe per Siebenmeter mit seinem vierten Treffer zum 31:29 (60.) ein.
Zuvor hatte die deutsche Mannschaft mit viel Selbstbewusstsein agiert und die Partie nach einem frühen Rückstand immer mehr in die eigene Hand genommen. Dafür sorgte auch Andreas Wolff, der satte zehn Minuten ohne Gegentreffer blieb. Allerdings konnte die 11:9-Führung kurz vor dem Wechsel nicht mit in die Pause genommen werden, Portugal glich noch aus. Der zweite Durchgang wurde dann entgültig zum Nervenspiel, in dem die deutsche Mannschaft nach einer viel zu harten roten Karte gegen Johannes Golla in der Schlussphase sogar ohne ihren Kapitän auskommen musste. Doch die DHB-Auswahl blieb cool und hielt nach Zerbes wichtigem 26:24 (54.) immer den Zwei-Tore-Vorsprung, den der insgsamt sechs Mal erfolgreiche Renars Uscins mit drei Toren in den letzten drei Minuten erfolgreich verteidigte.
Jetzt trifft die deutsche Mannschaft auf Co-Gastgeber Norwegen, der im zweiten Spiel der Gruppe I Spanien mit 35:34 (16:16) besiegte. Anpiff am Samstag in Herning ist um 20:30 Uhr, das ZDF überträgt live.
Dänemark mit wichtigem Schritt Richtung Halbfinale
Es war das Gigantenduell am ersten Hauptrunden-Spieltag: Dänemark traf zwei Tage nach der ersten Turnierniederlage gegen Portugal in der Neuauflage des letzten EM-Endspiels auf den erneut stark aufspielenden Titelverteidiger aus Frankreich. Die Partie, in der THW-Linksaußen Magnus Landin 31 Minuten zum Einsatz kam, entwickelte sich von Minute eins an zum Kampf um jeden Millimeter. In diesem hatten zunächst die Franzosen um ihren Top-Torschützen Aymeric Minne (7 Treffer) die Nase knapp vorn. Sie drehten einen frühen Rückstand in eine 12:11-Halbzeitführung. Und dann kam Emil Nielsen: Der dänische Torhüter wurde zum Helden der Handball-Nation. Mit elf Paraden legte er vor allen Dingen in der Schlussphase den Grundstein zum Sieg für Dänemark und sicherte sich zudem den "Player of the match"-Award. Frankreich hatte bis zum 26:24 (53.) den Sieg trotzdem vor Augen, dann schlug der Weltmeister und Olympiasieger in Form von Simon Pytlick (8 Tore) und Mathias Gidsel (9) auch offensiv zu - und 15.000 feierten den 32:29-Erfolg der Gastgeber schon wie den Titelgewinn. Samstag geht es für Magnus Landin um 18 Uhr mit der Partie gegen Spanien weiter (live bei Dyn und unter www.sportschau.de).
Schweden springt an die Spitze
Nach einer überragenden zweiten Halbzeit gegen Slowenien ist Schweden als einziges Team mit vier Punkten an die Spitze der Hauptrunden-Gruppe II gesprungen. 7745 Zuschauer in Malmö erlebten zum Auftakt der zweiten Turnierphase ein Spiel, das das Prädikat "Weltklasse" verdient hatte. Slowenien, angeführt von einem erneut überragenden Bald-Kieler Domen Makuc (8 Tore, drei Vorlagen), war im ersten Durchgang das Ton- und Tempobestimmende Team. Mit einer 15:13-Führung für die Slowenen wurden die Seiten gewechselt, die Pause schien allerdings vor allen Dingen den Schweden gut zu tun: Sie kamen wie entfesselt aus der Kabine, rissen ihre Fans mit einem 4:0-Lauf nach Wiederanpfiff von den Sitzen. Stark: Der Kieler Rückraum-Star Eric Johansson, der zwar erneut nur 23 Minuten auf dem Feld stand, in diesen aber satte sechs Treffer und ebensoviele Torvorlagen aufs Parkett zauberte. Immer dann, wenn es eng wurde, übernahm Johansson Verantwortung. Seine Tore zum 17:15 (36.), 26:23 (49.) und 30:27 (53.) kamen zum richtigen Zeitpunkt für den Co-Gastgeberm und Johansson war es auch, der den 35:31-Schlusspunkt setzte. Zum "Man of the match" wurde allerdings der siebenfache Torschütze Lukas Sandell gewählt. Johansson dürfte das egal gewesen sein, ist Schweden doch klar auf Halbfinal-Kurs!
Unentschieden im direkten Zebra-Duell
Ärgerlicher Punktverlust für die Schweiz: 51 Minuten lang waren die Eidgenossen gegen Ungarn das bestimmende Team, hatten sich mit klugem Spiel eine 20:14-Halbzeitführung und in eben dieser 51. Minute einen Vier-Tore-Vorsprung (28:24) erarbeitet - am Ende stand aber trotzdem nur ein 29:29-Remis, das nach einem 0:5-Lauf und Ben Romdhanes Tor zum Endstand in der 58. Minute sogar fast noch ein wenig glücklich war. So richtig hilft der Punkt beiden Mannschaften nicht - sie zieren jetzt das Tabellenende in der Hauptrunden-Gruppe II in Malmö. Lukas Laube traf in 30 Minuten einmal, Bence Imre in 13 Minuten dreimal.
Kroatien überrascht Island
Veron Nacinovic ist zurück - und mit ihm der kroatische Erfolg: Der THW-Kreisläufer überraschte mit seinem Team den Mitfavoriten Island und fuhr zwei ganz wichtige Punkte ein, die den Halbfinal-Traum der Kroaten am Leben halten. Als Nacinovic mit seinem einzigen Treffer in 28 Minuten Einsatzzeit zum 19:15-Halbzeitstand traf, war den vielen isländischen Fans unter den rund 5000 Zuschauern in Malmö das Entsetzen im Gesicht abzulesen. Ganz anders hingegen die kroatischen Anhänger: Sie tanzten, sangen und feierten ihre Mannschaft, die jetzt wirklich im Turnier angekommen zu sein scheint. Zum Helden wurde Torhüter Dino Slavic, der nach wenigen Minuten verletzt ausschied, dann aber noch für einen Siebenmeter ins Tor zurückkehrte: In der 57. Minute entschärfte er den Strafwurf von Magnusson und verhinderte damit den 27:28-Anschluss. Stattdessen traf der mit sieben Treffern erfolgreichste kroatische Werfer Mateo Maras zum 29:26 (58.) - die Entscheidung, auch wenn Island in den Schlusssekunden noch auf 29:30 verkürzen konnte.
Fotos: Sascha Klahn












