Super Dario

THW Kiel in den Medien
Donnerstag, 26.09.2019 // 08:41 Uhr

Kiel. Erste Halbzeit pfui, zweite Halbzeit hui! Der THW Kiel bleibt in der Champions-League-Gruppe B in dieser Saison ungeschlagen. Die Partie gegen den weißrussischen Meister Meshkov Brest wurde indes ein hartes Stück Arbeit. Am Ende setzten sich die Zebras mit 31:23 (13:12) durch und gehen mit 5:1 Punkten als Gruppenerster in eine spielfreie Woche.

THW Kiel besiegt Meshkov Brest mit 31:23 - 15 Paraden von Quenstedt

Cheftrainer Filip Jicha rotiert weiter, beordert Rechtsaußen Ole Rahmel und Torwart Dario Quenstedt in die Startformation, kommt ohne Offensiv-Defensiv-Wechsel aus, formiert seine Abwehr in einer 3:2:1-Aufstellung mit Domagoj Duvnjak an der Spitze. Das geht so lange gut, wie Dario Quenstedt mit sehenswerten Paraden gegen Andrei Yurynok (5.) oder gleich doppelt gegen Branko Karakas und Darko Djukic im Gegenstoß (10.) für ein Raunen auf den mit 7506 Zuschauern gefüllten Rängen sorgt.

Die vom Ex-Kieler Raul Alonso ("Das sind hier besondere Momente für mich") trainierten Weißrussen bleiben bis zum 7:6 (17.) für den THW auf Tuchfühlung, gehen gar mit 11:9 in Führung (23.), bestrafen Kieler Präzisionsmängel im Abschluss (Bilyk/10., Pekeler/11.) und offensive Schlampereien mit einfachen Toren und Tempospiel. Meshkov hebelt den THW phasenweise aus, zückt gegen die Zebras deren eigene Waffen.

Die Suche nach dem Erfolgsschlüssel geht weiter. Zunächst stellt Jicha auf eine Giganten-6:0-Deckung mit Pavel Horak, Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler um. So nebeneinander - angsteinflößend! Dann bringt er Gisli Kristjánsson in der Mitte, legt den Schalter um auf noch mehr Tempo. Schließlich kommt doch Regisseur Miha Zarabec in die Partie, bringt Struktur zurück. Pavel Horak avanciert zugleich gegen seinen Ex-Verein zum flinken, kompromisslosen Abräumer im Innenblock. Ist das der Schlüssel zum Sieg?

"In der Kabine wussten meine Spieler, dass sie mehr Energie in das Spiel legen müssen", berichtet Jicha später aus der Halbzeitpause. Gewusst, getan. Horak ist nicht der Schlüssel, sondern die "klassische Kieler" 6:0 mit dem Innenblock-Duo Pekeler/Wiencek. Ein 4:1-Lauf sorgt für die seit langer Zeit erste komfortable Führung des THW (17:13/38.). Die Zebras stehen defensiv jetzt kompakter, der Meshkov-Rückraum mit Mittelmann Artsiom Kulak und Aleksander Shkurinskiy kommt kaum noch zum Zug, rennt sich fest. Wo ist eigentlich Frankreich-Star-Transfer William Accambray?

Der 31-jährige Olympiasieger, Welt- und Europameister deckt von Beginn an, muss bis zur 56. Minute im Angriff allerdings Shkurinskiy den Vortritt lassen. "Der hat seine Sache gut gemacht", resümiert Raul Alonso und bedauert am Ende doch: "Das Ergebnis ist ein wenig zu hoch, aber ich bin stolz auf meine Mannschaft." Denn auch wenn der THW am Ende 19 Fehlwürfe auf seinem Negativkonto verbucht, schwindet bei den Weißrussen zusehends Substanz, sorgt "Super Dario" Quenstedt immer wieder mit seinen Paraden - insgesamt 15 - für Entlastung.

Alonso bringt den Slowenen Jaka Malus als Spielmacher, erhöht seinerseits das Tempo, Brest bleibt bis zum 22:19 (50.) in Sichtweite. Pekeler (50.), Wiencek (53.), Rahmel (54.), zweimal Niclas Ekberg im Tempogegenstoß (55.) scheitern am eingewechselten Ivan Matskevich im Tor der Weißrussen. Abwehrarbeit: hui! Chancenverwertung: pfui! Das betrifft gewiss nicht alle Spieler von Filip Jicha, und ganz besonders Linksaußen Rune Dahmke - seit der 20. Minute im Spiel - kann mit einer 100-Prozent-Quote, fünf Toren und viel Wurfwitz glänzen. "Unsere Abwehr war nach der Pause stabiler, die Energie höher, und Dario hat gefühlt alles gehalten", bilanziert Dahmke nach dem 31:23-Schlusspunkt durch Patrick Wiencek.

Zwei Siege in Veszprém und gegen Brest bedeuten die (vorläufige) Tabellenführung in Gruppe B - als Extramotivation hatte Filip Jicha zwei Siege als Bedingung für drei freie Tage gefordert. Zum Training bittet der Tscheche wieder am Sonntag. Am kommenden Mittwoch (20 Uhr) steht das Achtelfinale im DHB-Pokal bei der HSG Wetzlar auf dem Programm.

 (Von Tamo Schwarz, Merle Schaack und Alexander Timpe aus den Kieler Nachrichten vom 26.09.2019, Foto: Sascha Klahn