Viertelfinale! THW siegt im Thriller bei der HSG Wetzlar

DHB-Pokal
Mittwoch, 02.10.2019 // 21:30 Uhr

60 Minuten zittern, 60 Minuten kämpfen, 60 Minuten hadern, 60 Minuten alles geben - um am Ende zu jubeln: Der THW Kiel hat einen echten Pokal-Krimi bei der HSG Wetzlar mit 26:25 (12:14) gewonnen und damit das Viertelfinale im DHB-Pokal erreicht!. Die Kieler drehten dabei einen zwischenzeitlichen Vier-Tore-Rückstand, in den letzten Minuten setzte Trainer Filip Jicha dann alles auf eine Karte. Mit dem siebten Feldspieler und fünf wichtigen Paraden des eingewechselten Dario Quenstedt behielten die Zebras im Hexenkessel Rittal-Arena die Oberhand: Hendrik Pekeler traf 26 Sekunden vor Schluss, dann stemmten sich die Schwarz-Weißen mit Macht dem letzten Angriff der Hessen entgegen. Der Rest war unbändiger Jubel beim Titelverteidiger, für den Niclas Ekberg mit 6/1 Treffern am erfolgreichsten war. 

THW liegt zur Pause hinten

Bester Torschütze: Niclas Ekberg

Die Kieler erwischten den besseren Start, führten durch schnelle Tore von Harald Reinkind schnell mit 3:1 und 4:2. Dann aber schlichen sich Unkonzentriertheiten ein, zudem kam HSG-Torhüter Klimpke nun besser in die Partie. In der 13. Minute gelang den Gastgebern zum ersten Mal der Ausgleich, den der THW postwendend zum 7:5 konterte. Nach dem 8:6 durch einen von Ekberg verwandelten Siebenmeter (20.) geriet dann aber vor allem das Angriffsspiel der Zebras in Stocken: Mit einem Doppelschlag von Björnsen, der jeweils einen Konter vollstreckte, ging die HSG beim 9:8 erstmals in Führung. Das sorgte nicht nur für Stimmung unter dem Arena-Dach, sondern schien die Zebras auch zu beeindrucken: Sie leisteten sich - auch in Überzahl - eine Reihe von technischen Fehlern, hatten zudem im Abschluss nicht immer ein gklückliches Händchen. Hinzu kam Pech, wie bei Niklas Landins Wurf aufs leere Tor, der an die Lattenunterkante prallte. Der Kieler Torhüter sorgte mit seinen Paraden-  unter anderem gegen den zweimal vor ihm auftauchenden Torbrügge - allerdings dafür, dass der THW zur Pause nicht höher als mit 12:14 zurücklag. 

Wetzlar zieht davon

Hielt seine Zebras mit acht Paraden vor dem Wechsel im Spiel: Niklas Landin

Auch im zweiten Durchgang kamen die Zebras nicht richtig in Tritt, trafen die falschen Entscheidungen, leisteten sich Fehler, zogen kräftig am Fahrkartenschalter. Und sie trafen an diesem Abend auf einen Gegner, der bis zur 41. Minute wenig bis keinen Fehler machte, im Gegenzug aber jede Widrigkeit im THW-Spiel eiskalt bestrafte. In eben dieser 41. Minute führte die HSG mit 21:17 - 3734 Fans hatten aus der Rittel-Arena längst einen Hexenkessel gemacht. Jicha reagierte, brachte Dario Quenstedt für den im zweiten Durchgang glücklosen Landin, stellte in der Defensive auf 3-2-1 um. Die Folge waren neun Minuten ohne Gegentor, in denen sich aber auch beide Keeper auszeichnen konnten. Zudem machten nun auch die Gastgeber fehler - langsam kämpften sich die Zebras zurück in der Partie. Bilyk tankte sich zum 18:21 durch (42.), Harald Reinkind blockte einen Wurf von Alexander Feld, was Wiencek zu einem kraftvollen Konter veredelte: 19:21. Quenstedt hielt gegen Rubin, Pekeler traf zum Anschluss. Dann kaufte der Kieler Torhüter dem Ex-Zebra Emil Frend Öfors gleich zweimal einen freien Wurf ab, was Ekberg zum 21:21 nutzte. Neun Minuten vor dem Ende war der THW wieder da - und die Begegnung wurde zu einer echte Pokalschlacht.

Dramatische Schlussphase

Hendrik Pekelers Tor ließ die Zebras jubeln

Denn binnen 36 Sekunden war Wetzlar wieder mit zwei Treffern vorn - und hatte die Chance, noch weiter davonzuziehen. Doch Cavor, zehnfacher Torschütze, verzog. Jetzt war es ein Kampf auf Biegen und Brechen. Sechs Minuten vor dem Ende setzte Jicha alles auf eine Karte, brachte den siebten Feldspieler und versuchte, mit zwei Kreisläufern Räume freizusperren. Mit Erfolg: Ekberg netzte von Außen ein, Wetzlar unterlief ein Abspielfehler, und wieder startete der Schwede durch: Erneuter Ausgleich, zwei Treffer in knapp 19 Sekunden! Dramatisch ging es weiter - Wetzlar legte vor, hatte nach Reinkinds Fehlwurf sogar die Chance, den Deckel drauf zu packen. Doch Quenstedt hielt gegen Mirkulovski, der im zweiten Durchgang kaum zu stoppende Bilyk glich aus. 100 Sekunden waren da noch zu spielen - und die hatten es in sich. Zunächst lenkte Quenstedt einen Holst-Wurf an den Pfosten, was Pekeler das 26:25 ermöglichte. In den letzten 26 Sekunden verteidigten die Zebras mit Mann und Maus, Wetzlar bekam einen Freiwurf und versuchte, Holst freizuspielen. Zu spät! Mitten in den Sprung hinein kam die Schluss-Sirene - riesiger Jubel unter den rund 200 lautstarken THW-Fans und den Kieler Spielern, die sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen und das Viertelfinale erreicht hatten.

Auslosung am Donnerstag

Jubel nach einem Kraftakt: Viertelfinale!

Für die Kieler ging es direkt nach der Partie mit dem Mannschaftsbus durch die Nacht zurück nach Kiel. Ab Donnerstag beginnt dann die Vorbereitung auf das Auswärtsspiel am Sonntag beim TBV Lemgo Lippe. Erst in acht Tagen werden sie wieder zurück in der Sparkassen-Arena sein. Für das Heimspiel gegen die HSG Nordhorn-Lingen gibt es noch Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen, in der THW-FANWELT und im THW-Online-Ticketshop. Das Viertelfinale im DHB-Pokal wird am Donnerstag nach dem Spiel Flensburg - Hannover (Anpfiff: 17:00 Uhr) ausgelost. Als Glücksfee fungiert die norddeutsche Band "Santiano", das Prozedere kann wie das Spiel live im Free-TV bei Sky Sport News HD verfolgt werden. Weiter geht's, Kiel! 

Fotos: HSG Wetzlar / Laurin Sawellion

DHB-Pokal, Achtelfinale, 02.10.2019: HSG Wetzlar - THW Kiel: 25:26 (14:12)

HSG Wetzlar: Klimpke (1.-60., 13 Paraden), Suljakovic (n.e.); Feld (1), Kneer, Björnsen (4), Ferraz (1), Mirkulovski, Torbrügge (1), Weissgerber, Frend Öfors (1), Holst (2/2), Forsell Schefvert (1), Rubin (3), Lindskog (1), Cavor (10);Trainer: Wandschneider

THW Kiel: N. Landin (1.-41., 8 Paraden), Quenstedt (41.-60., 6 Paraden); Duvnjak (2), Reinkind (5), M. Landin (3), Kristjánsson (n.e.), Wiencek (1), Ekberg (6/1), Rahmel (n.e.), Dahmke (n.e.), Zarabec (1), Horak, Bilyk (5), Pekeler (3), Nilsson; Trainer: Jicha

Schiedsrichter: Robert Schulze / Tobias Tönnies
Strafzeiten: HSG: 4 (Kneer (11.), 2x Mirkulovski (28., 31.), Lindskog (37.)) / THW: 2 (Pekeler (25.), Reinkind (46..))
Siebenmeter: HSG: 2/2 / THW: 2/1 (Ekberg an die Latte, Nachwurf verwandelt (3.))
Spielfilm: 0:2 (4.), 1:3 (5.), 3:5 (10.), 5:5 (13.), 5:7 (17.), 6:8, 9:8 (23.), 10:10, 12:10 (26.), 13:11 (30.), 14:12;
14:13, 16:13 (34.), 17:14, 18:15 (36.), 19:17, 21:17 (41.), 21:21 (50.), 23:21 (51.) , 23:23 (55.), 25:25 (59.), 25:26.
Zuschauer: 3734 (Rittal-Arena, Wetzlar)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Filip Jicha: Wir waren zweimal schon so gut wie geschlagen, haben uns dann aber super zurückgekämpft. In der Schlussphase sind wir All-in gegangen, haben den siebten Feldspieler gebracht. Und Niklas Landin hat sich selbst ausgewechselt, was einmal mehr zeigt, wie mannschaftsdienlich er ist. Dario war dann sofort da, hat uns sehr geholfen. Ich bin stolz, dass wir in dieser unglaublichen Drucksituation Teamgeist gezeigt haben. Mit der Art und Weise, wie wir in den letzten 14 Minuten aufgetreten sind, bin ich sehr zufrieden. Klar ist aber auch, dass wir zuvor mit einer unfassbar hohen Fehlerquote Wetzlar wieder ins Spiel gebracht haben. Diese Fehler hat die HSG brutal bestraft, das ist eben eine abgezockte Mannschaft. Jetzt stehen wir im Viertelfinale, was mich nach diesem Spiel stolz macht. Einen Wunschgegner für die nächste Runde habe ich nicht.

Die Achtelfinal-Ergebnisse

Fünf Treffer im zweiten Durchgang: Nikola Bilyk

Rhein-Neckar Löwen - Frisch Auf Göppingen: 36:34 n.V.
SC DHfK Leipzig - MT Melsungen: 27:30
TVB Stuttgart - HC Erlangen: 30:26 (13:12)
Füchse Berlin - SC Magdeburg: 31:30
HSG Wetzlar - THW Kiel: 25:26 (14:12)
ASV Hamm-Westfalen - Die Eulen Ludwigshafen: 24:25
TBV Lemgo Lippe - Bergischer HC: 27:24
SG Flensburg-Handewitt - TSV Hannover-Burgdorf: 20:26

Fettgedruckte Mannschaften stehen im Viertelfinale, dieses soll vornehmlich am 3./4. Dezember gespielt werden.