Hausaufgabe gegen Bidasoa Irun abgehakt: THW Kiel bleibt in Europa ungeschlagen

European League

Hausaufgabe gegen Bidasoa Irun abgehakt: THW Kiel bleibt in Europa ungeschlagen

Das erste "Endspiel" der Hauptrunden-Gruppe 1 in der EHF European League hat der THW Kiel gewonnen. Dem 37:32-Hinrundenerfolg im Baskenland vor Wochenfrist folgte am Dienstagabend vor 5133 Fans in der Wunderino-Arena der 27:20 (11:8)-Sieg gegen den spanischen Vertreter Irudek Bidasoa Irun. Damit bleiben die Kieler vor dem "finale furioso" gegen die SG Flensburg-Handewitt am kommenden Dienstag, 10. März (Tickets), verlustpunktfreier Tabellenführer. Die Partie war ein Arbeitssieg gegen eine baskische Mannschaft, die kämpferisch alles auf der Platte ließ, dem THW Kiel mit einem überragenden "Geburtstagskind" Andreas Wolff zwischen den Pfosten aber nie gefährlich wurde. Unter dem Strich zählten für die Kieler im siebten Spiel innerhalb von 20 Tagen vor allem die Punkte.

"Im Angriff fehlte uns die Geduld"

Ein männlicher Handballspieler in einem weißen Trikot springt, um den Ball zu werfen, während ein Verteidiger in einem blauen Trikot versucht, ihn zu blockieren. Andere Spieler beobachten das Geschehen auf einem blauen Hallenplatz.Um Kräfte zu schonen, verteilte THW-Trainer Filip Jicha die Spielzeiten auf seinen gesamten Kader. Kreisläufer Hendrik Pekeler und Torhüter Gonzalo Perez de Vargas mussten gar nicht ran, lediglich Andreas Wolff und Rasmus Ankermann spulten die gesamten 60 Minuten herunter. "Wir haben uns schwer getan", analysierte Kiels Kreisläufer Petter Överby, "im Angriff fehlte uns oft die Geduld. Wir wollten mit einem Angriff gefühlt drei Tore erzielen, hatten wohl in der ersten Halbzeit eine Quote von 30 Prozent. Aber", fügte der Norweger hinzu, "die Basken spielen einen guten Ball, haben's uns schwer gemacht." Bester Mann auf dem Parkett war THW-Torhüter Andreas Wolff an seinem 35. Geburtstag, der insgesamt 17/2 Paraden auf sein Konto brachte. Im Kieler Angriff überzeugte der Jüngste in Jichas Kader: Rasmus Ankermann sorgte vor allen Dingen im zweiten Durchgang für Tempo, zeigte Spielwitz, war zudem fünfmal als Torschütze erfolgreich.

Wolff an seinem Geburtstag überragend

Ein Handballtorwart in einem roten Trikot steht mit ausgestreckten Armen und schützt das Tor, während ein Spieler in Blau mit der Nummer 21 nach vorne fällt und ein Spieler in Weiß mit der Nummer 11 in der Nähe auf einem blauen Feld steht.Die Zebras mussten auch gegen Bidasoa Irun mit Emil Madsen (Knorpelschaden) und Elias Ellefsen á Skipagötu zwei wichtige Leistungsträger ersetzen. Ein anderer stand von Beginn an im Mittelpunkt: Andreas Wolff. Schon vor einer Woche hatte Kiels 35 Jahre alt gewordener Torhüter den Irun-Angreifern ihren Spaß am Tore werfenverdorben. Am Dienstagabend knüpfte Wolff von der ersten Minute an seine Glanzleistungen vom Hinspiel an, Mielczarski scheiterte als erster in Reihen der Gäste, schüttelte nach Wolffs Glanzparade den Kopf. Lukas Laube antwortete nach feinem Anspiel von Mohab Abdelhak mit der Kieler 1:0-Führung. Bis zum 2:2, das Garcia in der 6. Minute erzielte, blieb Irun auf Augenhöhe. Dann machte Kiels Torhüter den Siebenmeter von Gonzalez unschädlich. Es war der Auftakt für eine neunminütige Tor-Durststrecke für Bidasoa Irun. Der Grund: Spaßverderber Andreas Wolff, der nacheinander gegen Barreto, Salinas, und Nieto parierte.

Beide Seiten tun sich schwer

Ein Handballspieler in einem weißen Trikot bereitet sich während eines Spiels auf den Wurf vor. Im Hintergrund sind Zuschauer und ein weiterer Spieler in einem gelben Trikot zu sehen.Und auf der anderen Seite? Taten sich zunächst auch die Zebras schwer. Sie scheiterten zwar nicht an Irun-Schlussmann Skrzyniarz, dafür reihenweise an Pfosten oder Latte des Gästetores. Außerdem hatten Lukas Laube, Petter Överby, Rasmus Ankermann und Co. ihr Zielwasser in der Kabine vergessen. Bis zur 15. Minute reichte es deswegen lediglich zur 5:3-Führung: Domagoj Duvnjak brachte einen Ballklau unter, Mohab Abdelhak traf aus dem Rückraum, und Bence Imre war von Rechtsaußen erfolgreich.
Bester Mannschaftsteil in Durchgang eins war zweifelsfrei die Abwehr um den Mittelblock aus Överby und Laube, auf den Halbpositionen verteidigten Duvnjak und Ankermann auf schnellen Beinen. Und die Außen, Imre und Rune Dahmke, ließen ebenfalls nichts anbrennen. So hielten die Kieler ihren Gegner bis zum Seitenwechsel bei acht Gegentoren, bis zur 21. Minute ließen sie nur vier zu. Allerdings: Auch die Zebras trafen bis zum Seitenwechsel lediglich elfmal ins Schwarze. Ein Grund waren auch die drei Holztreffer von der Siebenmeterlinie. Imre (2) und Zerbe trafen Pfosten und Latte.

Zebras bringen Sieben-Tore-Sieg nach Haus

Ein männlicher Handballspieler in einem weißen Trikot mit der Nummer 23 läuft vor dem Tor, während ein anderer Spieler in einem blauen Trikot und ein Torwart im Hintergrund auf einem Hallenplatz stehen.Wolff setzte auch das erste Ausrufezeichen der zweiten 30 Minuten, machte sofort den Strafwurf von Cavero unschädlich: Die Kieler Fans jubelten, Duvnjak sorgte mit seinem Treffer zum 12:8 für weitere Freude. Die erste Fünf-Tore-Führung erzielte Dahmke, der das geniale Anspiel von Ankermann souverän verwandelte. 14:9 hieß es in der 35. Minute. Wenig später war der Kieler Linksaußen erneut erfolgreich, traf per Tempogegenstoß nach spektakulär-langem Zuspiel von Wolff. Die erste Sieben-Tore-Führung ging dann auf das Konto von Ankermann und Bilyk - es war zugleich das Sahnehäubchen der Partie: Der THW-Youngster passte, Bilyk flog in den gegnerischen Kreis, vollendete den Kempa in der 46. Minute sehenswert zum 20:13. Die Gäste aber kämpften sich erneut zurück, spielten lange Angriffe, waren nach 52 Minuten wieder auf 17:22 herangerückt. Zeit für Wolff, die Verhältnisse wieder zurechtzurücken: Garcia trat zum Siebenmeter an, fand als dritter Irun-Spieler seinen Meister im Kieler Schussmann. Den Schlusspunkt setzte Ankermann: 27:20, die Pflicht war erledigt, die Arbeit getan.

Zebras bereits am Donnerstag in Stuttgart gefordert

Die Terminhatz des THW Kiel geht weiter: Nur 14 Stunden nach dem Abpfiff des EHF European-League-Heimspiels gegen Bidasoa Irun ruft THW-Trainer Filip Jicha seine Mannen zum Abschlusstraining für das direkt folgende wichtige Auswärtsspiel in der DAIKIN Handball-Bundesliga zusammen. Denn bereits am Donnerstag um 19 Uhr fordert der TVB Stuttgart den THW Kiel zum Duell heraus, weshalb die Zebras rechtzeitig eine der längsten Auswärtstouren der Spielzeit antreten müssen. Dyn überträgt live aus der nahezu ausverkauften Porsche-Arena. Weiter geht’s in Stuttgart, Kiel!

Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn

EHF European League, Hauptrunde: THW Kiel - Irudek Bidasoa Irun (ESP): 27:20 (11:8)

THW Kiel: Perez de Vargas (n.e.), Wolff (1.-60., 17/2 Paraden); Duvnjak (3), Reinkind (3), Landin (1/1), Överby, Laube (1), Johansson, Ankermann (5), Dahmke (3), Zerbe, Abdelhak (4), Bilyk (1), Pekeler (n.e.), Imre (5/2), Nacinovic (1); Trainer: Jicha
Irudek Bidasoa Irun: Skrzyniarz (1.-60., 11 Paraden), Maciel (n.e.); Cavero (4/1), Jevtic, Gonzales, Furundarena, E. Salinas (2), Santiago (1), Barreto, Raix (1), Tolosa, Mielczarski (4), Nevado (2), Nieto (2), Garcia (3/1), Valles; Trainer: Mozas Garcia

Schiedsrichter: Jakub Uhlir / Vojtech Benus (CZE)
Zeitstrafen: THW: 5 (2x Överby (26., 48.), 2x Laube (31., 59.), Bilyk (54.)) / Irun: 2 (Garcia (22.), Jevtic (30.))
Siebenmeter: THW: 6/3 (Imre an die Latte (8.) und an den Pfosten (24.), Zerbe an den Pfosten (30.)) / Irun: 5/2 (Gonzales überweg (8.), Wolff hält Cavero (46.) und Garcia (54.))
Spielfilm: 1/1 (2.), 2:2, 5:2 (13.), 7:3 (17.), 8:4 (18.), 9:6, 11:6 (27.), 11:8;
2. Hz: 13:8 (34.), 15:10 (38.), 15:12 (40.), 18:12 (42.), 20:13, 21:16 (49.), 26:19 (58.), 27:20.
Zuschauer: 5133 (Wunderino Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel: 

THW-Trainer Filip Jicha: Wir haben die zwei Punkte, und das war unser Ziel. Nicht zufrieden bin ich mit unserer Leistung in der ersten Halbzeit im Positionsangriff. Unsere Trefferquote war schlecht, dafür war Andi Wolff on fire. Er hat uns eine Menge geholfen. Die zweite Halbzeit war dann okay. Wir haben getan, was getan werden musste. Morgen um 10:30 Uhr ist Training, danach geht’s direkt nach Stuttgart. Aber wir nehmen es, wie es ist und gehen diese besondere Herausforderung am Donnerstag mit voller Verantwortung an.

Iruns Trainer Alejandro Mozas: Für uns war es aufgrund der vielen Verletzungen und des - wie bei Kiel - sehr engen Spielplans ein sehr hartes Match. Vielleicht war es aufgrund der Belastungen auch eher ein langsames Spiel, in dem Andreas Wolff brillant performt hat. Dadurch hatten wir große Probleme, überhaupt ein Tor zu erzielen.

THW-Kapitän Nikola Bilyk: Die erste Halbzeit war von unserer Seite nicht gut genug. Da waren wir mental nicht bereit, dafür war Andi sehr gut. Ohne ihn und seine großartige Leistung hätte es heute für uns noch sehr schwer werden können. In der zweiten Halbzeit hatten wir dann etwas mehr Struktur in unserem Spiel, sodass wir unser Ziel, die zwei Punkte, erreicht haben. Donnerstag in Stuttgart müssen wir aber auf einem anderen Level spielen, weil der TVB sicherlich sehr gut vorbereitet in dieses Spiel geht. Wir werden aber alles in unserer Macht stehende tun, um dort zu gewinnen.

Iruns Rückraumspieler Piotr Mielczarski: Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Es war ein Spiel der Abwehr, und wir haben gegen eine der besten Mannschaften der Welt in beiden Partien ein gutes Bild abgegeben. Du möchtest gegen diesen Verein spielen, du möchtest dich mit diesem Verein messen und auf das Niveau des THW Kiel kommen.