Endlich wieder ein Derbysieg: Zebras starten mit Erfolg in Flensburg in die Hammer-Hauptrunde

European League

Endlich wieder ein Derbysieg: Zebras starten mit Erfolg in Flensburg in die Hammer-Hauptrunde

Kieler Zebras im Siegesrausch: Nach dem Erfolg bei den Rhein-Neckar Löwen und dem folgenden Triumph am Sonntag über den bis dato ungeschlagenen SC Magdeburg jubelte der THW Kiel inklusive Anhang nur 46 Stunden später auch in Flensburg. Der Handball-Rekordmeister gewann das erste Hauptrunden-Spiel in der EHF European League am Dienstagabend beim Nordrivalen in der ausverkauften GP Joule Arena mit 32:30 (13:15). Mit 6:0 Punkten setzten sich die Zebras an die Tabellenspitze. Vielmehr feierten die Kieler mit ihrer lautstarken "weißen Wand" aber etwas anderes - denn der Bann ist gebrochen! Nach zuletzt fünf Niederlagen in Folge jubelte Kiel über den ersten Sieg in der "Hölle Nord" seit April 2023. Trainer Filip Jicha hatte dort auf eine neue Rückraumachse gesetzt, rotiert und unter anderem dem 18-jährigen Rasmus Ankermann viel Spielzeit gegeben - und wurde dafür belohnt. Beste THW-Torschützen waren Nikola Bilyk und Bence Imre, die je siebenmal ins Flensburger Tor trafen. 

Bilyk und Wolff überragend

Ein männlicher Handballspieler in einem weißen Trikot mit der Nummer 53 bereitet sich darauf vor, den Ball während eines Spiels zu werfen. Der Hintergrund zeigt eine unscharfe Menschenmenge und einen anderen Spieler in einem dunklen Trikot.Überragende Spieler auf dem Parkett waren Nikola Bilyk, der den Dauerspieler Eric Johansson hervorragend vertrat, und Torhüter Andreas Wolff. Bilyk glänzte als Regisseur und siebenfacher Torschütze in Personalunion, Andy Wolff hielt insgesamt 14 Bälle an. Er brachte Flensburgs Angreifer vor allem in der zweiten Halbzeit der Verzweiflung nahe. Grandios war zudem der Auftritt von Youngster Ankermann, der für den angeschlagenen Elias Ellefsen á Skipagötu in die Bresche sprang: Der A-Jugendliche sorgte für Tempo, war einer der Felsen in der Abwehr und imponierte mit selbstbewussten Aktionen in der Offensive. So tankte sich Ankermann 20 Sekunden vor dem Ende durch die SG-Abwehr, konnte nur durch ein Foul gebremst werden. Den fälligen Siebenmeter verwandelte Bence Imre zum 32:30-Endstand. 

Flensburg setzt sich als erste Mannschaft ab

Ein Handballspieler in einem weißen Trikot versucht, sich mit dem Ball in der Hand zu befreien, während drei Spieler in dunkelblauen Trikots versuchen, ihn auf einem blauen Hallenplatz zu blockieren.Die Zebras starteten in der Besetzung Andy Wolff, Rune Dahmke, Nikola Bilyk, Domagoj Duvnjak, Veron Nacinoovic, Mohab Abdelhak und Bence Imre in das 114. Nordderby, das allerdings erst ein wenig Anlaufzeit für die bekannte Hitze benötigte. Abdelhak eröffnete den Torreigen mit einem Rückraum-Hammer,Jakobsen glich im Gegenzug aus. Nacinovic und Abdelhak waren dann die THW-Torschützen zum 3:3 (6.). Wolff glänzte in der Folge mit zwei Paraden gegen Nationalmannschaftskollege Johannes Golla, weil aber Bence Imre seine Chance zunächst ungenutzt ließ und ein fragwürdiges Stürmerfoul gegen Rune Dahmke gepfiffen wurde, gingen die Einheimischen durch Novak mit 4:3 in Front. Ankermann wurde in der zehnten Minute aufs Parkett beordert, fügte sich gleich mit seinem Treffer zum 5:5 ein. Bis zum 8:8 in der 20. Minute - Bilyk traf mit gekonntem Sprungwurf – blieben beide Teams auf Augenhöhe. Dann kam Sand ins Getriebe der THW-Angriffsaktionen. Kirkelökke, Jakobsen und Novak bedankten sich mit ihren Treffern, ließen einen rasanten Flensburger 3:0-Lauf zur 11:8-Führung folgen.

Zebras sind zur Pause in Schlagdistanz

Zeit für eine Auszeit von Filip Jicha. Er wirkte beruhigend auf sein Team ein, forderte ein besseres Rückzugsverhalten. Und nach einem Doppelschlag von Rechtsaußen Bence Imre, der Vielspieler Lukas Zerbe großartig vertrat, blieben die Kieler im Spiel. Sie kamen auch dann wieder zurück, als Volz THW-Fehler kurz vor dem Seitenwechsel mit der 14:10-Führung bestrafte. Die "Hölle Nord" kochte, aber die Zebras ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Harald Reinkind, Lukas Laube und Bilyk sorgten mit ihren Treffern für den 13:15-Halbzeitstand. Die Partie war völlig offen.

Kiel übernimmt die Kontrolle in Flensburg

Ein Handballtorwart in einem gelben Trikot hebt die Arme, um einen Schuss abzublocken, während ein Spieler in einem blauen Trikot den Ball in Richtung Tor wirft. Eine große Menschenmenge verfolgt diesen intensiven Moment von der Tribüne aus.Den ersten Minuten der zweiten Halbzeit drückte Rune Dahmke seinen Stempel auf: Der Kieler Linksaußen traf sehenswert zum 14:15, war in der 36. Minute mit einem Doppelschlag auch für die erste THW-Führung seit Spielbeginn verantwortlich. 18:17 nach 36 Minuten. Großartig bei diesen THW-Torerfolgen war das Anspiel von Domagoj Duvnjak auf Imre und das folgende Dahmke-Solo durch die komplette SG-Abwehr. Hendrik Pekeler, Defensivboss, kassierte jetzt seine zweite Zeitstrafe, doch der THW-Mittelblock schloss sich auch mit Rasmus Ankermann, Veron Nacinovic oder Petter Överby zu einer Festung zusammen. Jetzt bestimmten die Zebras vor 6000 erstaunten Flensburger Fans Tempo und Spielgeschehen, lagen stets knapp in Front, sorgten vor allem mit Tempospiel für Achselzucken bei den SG-Abwehrriesen. Und sie hatten erneut einen Torhüter der Extraklasse zwischen ihren Pfosten. Andreas Wolff kaufte Novak klare Chancen ab, war letzte Instanz bei Flensburger Tempogegenstößen durch Möller oder Jakobsen, nervte nahezu alle SG-Angreifer mit großartigen Paraden.

Strafwürfe halten SG im Spiel

Ein Handballspieler in Weiß springt, um zu schießen, während er von einem Spieler in Blau angegriffen wird; ein intensiver Moment während eines Spiels mit einer konzentrierten Zuschauermenge im Hintergrund.Als Domagoj Duvnjak nach Kieler Ballgewinn blitzschnell schaltete, in der 43. Minute zur 23:20-Führung einwarf, drückte SG-Trainer Ales Pajovic auf den Buzzer. Auszeit! Der quirlige THW Kiel hatte zehn Tore in nur 13 Minuten im Flensburger Gehäuse untergebracht, da waren weder Kevin Möller noch Benjamin Buric, der in der 42. Minute für den Dänen kam, in der Lage, dem Spiel eine Wendung zu geben. Allerdings verpassten es die Zebras bei zwei freien Chancen, noch mehr Druck auf die Mannen von der dänischen Grenze auszuüben. Mit erfolgreichen Abschlüssen wären die Zebras Mitte der zweiten Halbzeit gar auf fünf Tore enteilt. So aber ließen die Kieler Flensburg zurück in die Partie. Vor allem durch verwandelte Strafwürfe von Jakobsen.

Ankermann und Imre bringen den Derbysieg nach Hause

Ein männlicher Handballspieler in einem weiß-goldenen Trikot hält einen Handball in seiner rechten Hand und bereitet sich mit konzentriertem Blick auf den Wurf vor. Im Hintergrund ist eine unscharfe Menschenmenge zu sehen.Nach 48 Minuten stand es 24:23 für Kiel, auch nach der erneuten Drei-Tore-Führung zum 27:24 durch Harald Reinkind in der 52. Minute kämpften sich die Hausherren wieder heran. Doch die Kieler blieb vorn: 28:27 hieß es in der 55. Minute, als Andreas Wolff Lasse Möller stoppte, das mögliche Unentschieden verhinderte. Lukas Laube und Bence Imre, der per Siebenmeter an Buric scheiterte, den Abpraller aber gedankenschnell aufnahm und verwandelte, legten erneut auf 30:27 vor. Jakobsen verkürzte, aber Ankermann traf spektakulär zum 31:28. Einmal noch rüttelten Jakobsens Strafwürfe am Kieler Sieg. Beim Stand von 31:30 exakt 38 Sekunden vor dem Abpfiff drückte Filip Jicha dann ein letztes Mal auf den Buzzer. Kurze Lagebesprechung, dann übernahm Ankermann Verantwortung, ging Eins-gegen-Eins: Siebenmeter, Matchball. Bence Imre blieb eiskalt, netzte zum 32:30 ein. Die Zebras zelebrierten ihren Siegestanz, rund 300 mitgereiste Fans tanzten und jubelten mit.

Ab in den Süden: Am Samstag zu Gast in Göppingen

Eine Handballmannschaft in weißen Trikots versammelt sich und feiert in der Nähe des Tores, während Spieler in dunklen Trikots im Vordergrund stehen. Auf den Tribünen sitzen Zuschauer, die das Geschehen begeistert verfolgen.Für den THW Kiel steht nach zuletzt drei Partien innerhalb von sechs Tagen eine der längsten Reisen der Saison an: Am Samstag sind die Zebras zunächst im Nord-Süd-Gipfel bei Frisch Auf! Göppingen gefordert. Anwurf in der nahezu ausverkauften EWS-Arena ist um 19 Uhr,  Dyn überträgt live. Nach dem Spiel geht es für die Zebras nicht zurück nach Kiel, sondern am frühen Sonntagmorgen weiter nach Spanien: Dort steht für sie am Dienstag um 20:45 Uhr das zweite Hauptrunden-Spiel in der EHF European League beim ehemaligen Champions-League-Sieger Bidasoa Irun auf dem dichtgepackten Start-Programm. Dyn und DAZN übertragen live. Erst am Mittwoch kehren die Kieler dann wieder zurück nach Hause und bereiten sich auf das Heimspiel am 28. Februar gegen Gummersbach (Restkarten unter www.thw-tickets.de) vor. Weiter geht’s aber erst einmal in Göppingen, Kiel!

Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn

EHF European League, Hauptrunde, 1. Spieltag: SG Flensburg-Handewitt - THW Kiel: 30:32 (15:13)

SG Flensburg-Handewitt: Buric (40.-60., 3/1 Paraden), K. Möller (1.-40., 5 Paraden); Pytlick (4), Golla (4), Kirkelökke (3), Grgic (2), Faljic, Horgen (1), Volz (2), Jakobsen (10/5), Knutzen, Blagotinsek, Novak (3), L. Möller (2); Trainer: Pajovic
THW Kiel: Perez de Vargas (2 Siebenmeter, keine Parade), Wolff (1.-60., 14 Paraden); Duvnjak (1), Reinkind (3), Landin, Överby, Laube (3), Johansson, Ankermann (4), Dahmke (3), Zerbe (n.e.), Abdelhak (2), Bilyk (7), Pekeler (1), Imre (7/3), Nacinovic (1); Trainer: Jicha

Schiedsrichter: Novica Mitrovic / Miljan Vesovic (MNE)
Zeitstrafen: SG: 3 (Blagotinsek (14.), Jakobsen (24.), Faljic (28.)) / THW: 3 (2x Pekeler (16., 37.), Dahmke (54.))
Siebenmeter: SG: 6/5 (Jakobsen an die Latte (15.)) / THW: 4/3 (Buric hält Imre, der den Nachwurf verwandelt (57.))
Spielfilm: 0:1, 2:1 (4.), 4:3, 6:6 (15.), 8:6 (17.), 8:8 (20.), 11:8 (22.), 12:10 (25.), 14:10 (27.), 15:11 (29.), 15:13;
2. Hz: 16:14 (34.), 17:16 (35.), 17:18 (36.), 18:18, 18:20 (39.), 20:21 (41.), 20:23 (43.), 22:23, 23:24 (47.), 23:26 (50.), 24:27 (52.), 26:27 (53.), 27:28 (55.), 27:30 (57.), 28:31 (59.), 30:31 (60.), 30:32.
Zuschauer: 6300 (ausverkauft) (GP Joule Arena, Flensburg)

Stimmen zum Spiel: 

THW-Trainer Filip Jicha: Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, die heute gespielt hat. Nach zwei brutal harten Bundesliga-Spielen 46 Stunden später hier anzutreten und zu gewinnen, braucht es Spieler, die Verantwortung übernehmen: Rasmus war unglaublich cool, Andi hatte wichtige Paraden, Nikola hat das Spiel gut geleitet. Wichtig war, dass wir die Ruhe bewahrt haben. Trotzdem fühlt sich dieser Sieg, fühlte sich das Spiel seltsam an. Denn eigentlich sind die Derbys geprägt vom alles-oder-nichts-Charakter, heute war es erst die erste Halbzeit. Ich habe immer betont, dass es um jedes Tor geht. Wir müssen gegen Irun unsere Hausaufgaben machen und dann alles in das Rückspiel, die zweite Halbzeit gegen Flensburg legen. Heute wollten wir das nächste Highlight ohne Eric und Elias bestreiten, wir wollten das so durchziehen. Denn hier sammelt man Erfahrung. Rasmus wusste, dass er früh gebracht werden würde. Er verdient ein Sonderlob. Niko sollte und musste Wurfverantwortung übernehmen, seine Situationen haben uns gutgetan. Ich freue mich, dass wir nach der Europameisterschaft eine solche mentale Frische zeigen. Der Sieg in Mannheim war eine Reifeprüfung, der Sieg gegen Magdeburg war außergewöhnlich. Leider fehlte ein bisschen die Zeit, um diesen Sieg ausreichend zu würdigen. Und dann gewinnen wir heute mit dieser Mannschaft in Flensburg, wo es immer schwer ist. Deshalb haben sich die Jungs morgen einen freien Tag verdient.

SG-Trainer Ales Pajovic: Wir hatten einen schlechten Start in die zweite Halbzeit, haben da bei drohendem Zeitspiel die Schlagwürfe aus neun Metern bekommen. Gegen Ende haben wir uns zurückgekämpft, lassen in den letzten Minuten aber fünf 100-prozentige Chancen liegen, die Wolff stark hält.

THW-Torhüter Andreas Wolff: Der Derbysieg fühlt sich richtig geil an. Es ist schön, dass wir nach dem starken Spiel gegen Magdeburg heute direkt an die Leistung anknüpfen konnten, obwohl wir uns lange schwer getan haben. Aber das ist auch der Charakter dieses Spieles. Der Sieg heute bedeutet mir persönlich auch sehr viel, weil ich nicht mehr genau weiß, wann ich tatsächlich überhaupt das letzte Spiel gegen Flensburg gewinnen konnte. Der Sieg war verdient, und ich freue mich, dass ich mit meiner Mannschaft helfen konnte, diesen einzufahren.

THW-Youngster Rasmus Ankermann: Es fühlt sich überragend an, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Hier zu bestehen, schaffen nicht viele. Und ich bin froh, dass wir unsere Negativserie gegen Flensburg endlich stoppen konnten. Ich wusste seit gestern, dass ich spielen werde, da Eric und Elias vor zwei Tagen gegen Magdeburg extrem gefordert waren. Dass mich Filip aber solange spielen lassen würde, habe ich nicht geglaubt. Als ich den Siebenmeter am Ende herausgeholt habe, habe ich die „Hölle Nord“ nicht als so leise empfunden – wir hatten so viele Fans in der Halle, und gerade in dieser Situation hat die "weiße Wand" gezeigt, wie laut sie sein kann.