
Zebras kassieren beim Deutschen Meister in Magdeburg erste Saison-Niederlage
Zweieinhalb Jahre wartete der SC Magdeburg auf einen Sieg gegen den THW Kiel, am Mittwochabend drehte der amtierende Meister mit seiner eingespielten Weltklasse-Mannschaft den Spieß aber um. Die Zebras erwischten eine erste Halbzeit, in der sie in Abwehr und Angriff zwar gut spielten, aber die herausgespielten Torchancen nicht in Zählbares verwerteten. Der frühe Rückstand der Kieler ließ im Gegenzug beim SCM die Gedanken an vergangene Negativ-Erlebnisse mit jeder Minute mehr schwinden. Am Ende gewann der Titelverteidiger und Top-Favorit in der Opel Handball-Bundesliga mit 32:26 (15:9) und sorgte so für die erste Saison-Niederlage der Kieler, bei denen Domen Makuc mit neun Treffer erneut herausragte.
Harte Fouls gegen Domen Makuc
Die Zebras waren am Dienstag ohne Emil Madsen nach Sachsen-Anhalt gereist. Der Kieler Linkshänder hatte es am vergangenen Sonnabend nach im Spiel gegen Flensburg an den Adduktoren. Umso mehr stockte den Zebra-Fans der Atem, als Eric Johansson mit muskulären Problemen vom Feld humpelte und von den heimischen Fans dabei noch verhöhnt wurde. Auch bei Domen Makuc wurde auf schwarz-weißer Seite die Luft angehalten. Der überragende Slowene wurde hart von der Magdeburger Abwehr angegangen, dreimal aus "der Luft gepflückt". Insbesondere ein Hüft-Foul von Antonio Seradilla wie in den brutalen 1980er Jahren erregte die Gemüter auf der Kieler Bank. Das sei gefährlich gewesen, sagte THW-Trainer Börge Lund. "Ich hätte mir gewünscht, dass der Spieler besser geschützt worden wäre. Jetzt bin ich erstmal froh, dass kein Spieler aus diesen Situationen schwer verletzt herausgekommen ist."
Kieler Angriff stockt ab Minute fünf
Die Gastgeber stellten von Beginn an eine aggressive, bewegliche Deckung, die Zebras hielten defensiv ebenso stark dagegen. Trotzdem lagen sie schnell zurück, weil sie vor allem an eigenen Problemen im Abschluss scheiterten. Die Anfangsminuten gehörten den Torhütern, sowohl Andreas Wolff als auch sein Gegenüber Matej Mandic waren sofort im Geschehen. Mandic brachte sechs Paraden bis zur 15. Minute auf sein Konto, zudem scheiterten die Kieler Angreifer auch an Pfosten oder Latte. Gut, dass Wolff mit fünf Paraden bis zur 17. Minute den Abstand noch einigermaßen in Grenzen hielt. Harald Reinkind und Vincent Büchner sorgten bis zur fünften Minute für den 2:2-Zwischenstand, dann zogen die Gastgeber mithilfe der Kieler Abschlussschwäche aber schon davon. Omar Ingi Magnusson war von der Kieler Deckung kaum zu bremsen, dafür hatte die THW-Defensive seine Nebenleute über weite Strecken gut im Griff. Aber Magnusson traf viermal und hatte damit wesentlichen Anteil an der 8:3-Führung nach 14 Minuten. Börge Lund nahm die Auszeit: "Wir spielen das gut im Angriff, aber im Abschluss ist unsere Ausbeute zu schlecht. Das muss besser werden."
Klare Halbzeitführung für die Gastgeber
Wurde es allerdings aus Kieler Sicht leider nicht, obwohl ab der 17. Minute Domen Makuc auf der Spielmacherposition für ordentlich Wirbel sorgte. Makuc führte sich mit zwei schnellen Toren zwar glänzend ein, das fehlerhafte Angriffsspiel blieb aber zunächst weiterhin ein Manko auf schwarz-weißer Seite. Als sich Claar nach 26 Minuten durch die THW-Abwehr tankte, unbehindert zum 13:6 in die Kieler Maschen traf, waren die Gastgeber auf sieben Tore enteilt, brachten natürlich die Halle noch mehr auf ihre Seite. Gut für die Zebras, dass Makuc an der Strafwurflinie zunächst keine Nerven zeigte, drei Siebenmeter sicher verwandelte, den THW halbwegs auf Augenhöge hielt. Weil auf der anderen Seite aber auch Lagergren immer wieder zu guten Chancen kam und treffsicher war, hatte Magdeburg die Nase beim Halbzeitpfiff imer noch klar vorn: Mit 15:9 wurden die Seiten gewechselt.
Momentum kippt nicht auf Kieler Seite
Die Zebras versuchten alles, um dem Spiel doch noch eine Wende zu geben. Börge Lund stellte Gonzalo Perez de Vargas zwischen die Kieler Pfosten, auch Rasmus Ankermann kam. Harald Reinkind verkürzte kurz nach Wiederanpfiff auf 10:15, doch Magnusson, am Ende mit 11/5 Treffern bester SCM-Torschütze, konterte mit einem Doppelschlag zum 17:10. Und weil jetzt auch Makuc zweimal von der Siebenmeterlinie an Kuzmanovic verzweifelte und das Torhüter-Duell sich in Richtung der Magdeburger Schlussleute neigte, wurde der Tore-Abstand einfach nicht geringer. Die Zebras hielten aber weiter dagegen, stellten den SCM mit ihrem Sieben-gegen-Sechs vor neue Aufgaben: Eric Johansson erzielte sein erstes Tor, legte ein zweites nach, Rune Dahmke netzte nach glänzendem Makuc-Anspiel ein. Magdeburg zeigte aber keine Schwächen, hielt den THW Kiel auch mit Siebenmetern auf Abstand. Das berühmte Momentum wollte einfach nicht auf Kieler Seite kippen.
Remis in Halbzeit zwei
Nach der Auszeit von Börge Lund traf dann auch Julian Köster aus dem Rückraum, Elias Ellefsen á Skipagötu tankte sich zweimal durch die Magdeburger Abwehr. Aber die Tür zu einem Punktgewinn in Magdeburg wollte sich nicht mehr öffnen, näher als fünf Tore kamen die Zebras nicht heran. Immerhin verdiente sich Makuc mit zauberhaftem Solo in der 58. Minute den Titel "Tor des Tages", außerdem zeigte sich Andreas Wolff als glänzender Sportsmann, als er den Schiedsrichtern gestand, einen Wurf nicht berührt zu haben, der Ballbesitz damit an die Gastgeber ging. Als Lukas Zerbe, der wie schon gegen Fensburg aus unerklärlichen Gründen eine Zeitstrafe "für nix" kassierte, kurz vor dem Ende dann das letzte Tor der Spitzenbegegnung zum 26:32 erzielte, hatten die Zebras immerhin die zweite Halbzeit mit einem verdienten Unentschieden beendet. Ein Umstand, der Auftrieb für die nächste schwere Aufgabe geben sollte.
Am Samstag zu Hause gegen den VfL Gummersbach
Denn die Wahnsinns-Woche für die Zebras gegen drei in der vergangenen Saison vor ihnen platzierte Teams geht am Samstag mit dem Heimspiel gegen den VfL Gummersbach zu Ende. Der VfL - der zwar Kapitän Julian Köster in Richtung THW Kiel ziehen lassen musste, sich im Gegenzug aber unter anderem mit dem spanischen Superstar Alex Dujshebaev verstärkt hat -verlor in der abgelaufenen Spielzeit keine Partie gegen den THW Kiel und siegte im Februar mit 34:26 in der MERKUR Ostseehalle. Das Traditionsduell, das am "Tag der deutschen Einheit" um 19 Uhr angepfiffen wird, ist eine mit Spannung erwartete Partie. "Der VfL spielt aktuell bereits wieder eine starke Saison, auch wenn die Tabelle das bisher noch nicht so aussagt", weiß Köster, der sich auf das Wiedersehen freut. "Aber ich freue mich auch darauf, ein Heimspiel in unserer Halle gegen Gummersbach zu haben." Restkarten gibt es unter www.thw-handball.de und in der THW-FANWELT, die aufgrund des Feiertags am Samstag ausnahmsweise "nur" von 16 bis 19 Uhr geöffnet hat. Weiter geht's zu Hause gegen Gummersbach, Kiel!
Text: Reimer Plöhn / Fotos: SCM/Katja Müller / THW Kiel (2)
Opel Handball-Bundesliga, 16. Spieltag: SC Magdeburg - THW Kiel 32:26 (15:9)
SC Magdeburg: Kuzmanovic (45.-60., und drei Siebenmeter, 7/3 Paraden), Mandic (1.-45. 8 Paraden); Elze(n.e.), Musche (1), Claar (4), Thielecke (n.e.), Vind, Kristjansson (5), Pettersson (1), Magnusson (11/5), Serradilla (1), Weber (n.e.), Lagergren (4), Mertens (1), Saugstrup (3), Bergendahl (1); Trainer: Wiegert
THW Kiel: Perez de Vargas (31.-47., 2 Paraden), Wolff (1.-30., 47.-60. und ein Siebenmeter, 7 Paraden); Faust, Duvnjak, Reinkind (3), Köster (2), Laube, Johansson (3), Ankermann (1), Dahmke (1), Zerbe (2), Makuc (9/3), Pekeler, á Skipagötu (2), Büchner (2), Nacinovic (1); Trainer: Lund
Schiedsrichter: Fabian Baumgart / Philipp Dinges
Zeitstrafen: SCM: 4 (Musche (17.), Saugstrup (34.), 2x Seradilla (41., 45.)) / THW: 2 (Johansson (6.), Zerbe (42.))
Siebenmeter: SCM: 5/5 / THW: 7/3 (Zerbe an die Latte (5.), Kuzmanovic hält 2x Makuc (33., 34.) und Zerbe (56.))
Spielverlauf: 1. Hz: 1:0, 2:2 (4.), 5:2 (11.), 8:3 (16.), 9:5 (19.), 11:5 (23.), 13:7, 14:9 (30.), 15:9;
2. Hz: 15:10, 17:10 (34.), 20:13 (37.), 20:15 (39.), 24:19 (44.), 26:21, 28:21 (48.), 30:22 (51.), 30:24, 32:24 (58.), 32:26.
Zuschauer: 6.600 (ausverkauft) (Getec Arena, Magdeburg)
Stimmen zum Spiel:
THW-Trainer Börge Lund: Wir haben gut angefangen. Die Abwehr stand gut, wir waren kompakt und haben die Zweikämpfe gewonnen. Andi hatte seine Paraden, und wir hatten gute Chancen. Die haben wir allerdings nicht verwandelt, und dann haben wir nach und nach den Faden verloren. Dann wächst die Halle, dann wächst Magdeburg. Und egal, was wir dann gemacht haben, war es uns in der zweiten Halbzeit nicht möglich, noch einmal wirklich an Magdeburg heranzukommen. Natürlich kann man im Nachhinein immer sagen, man hätte dieses und jenes besser machen können, früher wechseln können. Aber das macht jetzt auch kein anderes Ergebnis, und die Spieler brauchen auch das Vertrauen, dass sie nicht nach den ersten Fehlwürfen sofort ausgewechselt werden. Die Chancen waren da. Heute war es einfach schwer - egal, wer auf dem Platz stand
Wir müssen aus diesem Spiel lernen und weitermachen. Aber heute haben wir beim Titelverteidiger gespielt, der schon einige Jahre in dieser Konstellation zusammen ist. Wenn man es so will, hat der SCM bereits sein Endprodukt gefunden, so weit sind wir natürlich noch nicht. Samstag wartet bereits das nächste Riesen-Spiel auf uns in unserer Halle, denn dann kommt mit Gummersbach das nächste Top-Team. Froh bin ich, dass bei den drei Fouls, bei denen Domen aus der Luft geholt oder ihm von hinten in den Arm gegriffen wurde, sich niemand schwer verletzt hat. Wir sollen die Spieler schützen, diese Aktionen haben von der Bank aus sehr gefährlich ausgesehen.
SCM-Trainer Bennet Wiegert: Ich bin natürlich megastolz und megahappy, dass wir so ein Spiel von der ersten bis 60.Minute abgeliefert haben. Die Energie war fantastisch, und sofort haben meine Spieler die Arena angezündet, direkt war die Symbiose zwischen Fans und Mannschaft aufgebaut. Das hat uns getragen. Wir standen von Beginn an stabil, haben emotional und aktiv verteidigt. Natürlich hat es geholfen, dass Kiel freien Chancen nicht reingemacht hat. Die Sechs-Tore-Führung beim 12:6 hat uns extreme Stabilität gegeben, auch wenn der THW Kiel dann reinwechselt und Domen Makuc kommt. In der zweiten Halbzeit hat uns das Sieben-gegen-Sechs vor Probleme gestellt, der Angriff wurde dafür besser. Jetzt bin ich stolz, dass wir solch eine Mannschaft wie den THW Kiel phasenweise dominiert haben. Das sollten wir heute noch genießen und dann weitermachen.
THW-Kapitän Rune Dahmke: Heute hier so zu verlieren, ist super hart. Gefühlt war das Spiel nach den ersten 15 Minuten entschieden, da haben wir ein stückweit auch den Mut verloren. Daran sieht man, dass wir als Mannschaft noch nicht gefestigt sind. Die Automatismen fehlen einfach noch. Umso wichtiger ist es jetzt, dass wir am Samstag mit unserer Halle gegen den nächsten Top-Gegner zwei Punkte holen.
THW-Kapitän Julian Köster: Beim deutschen Meister und einer der besten Mannschaften der Welt muss sehr viel zusammenkommen, um zu punkten. Das, was wir heute gezeigt haben, hat dafür leider nicht gereicht. Wir haben gefühlt nach den Fehlern in der Anfangsphase ein wenig das Selbstvertrauen eingebüßt. Heute sind wir natürlich nicht zufrieden. Jetzt wollen wir am Samstag zwei Punkte zu Hause holen. Daran hat sich durch Magdeburg nichts geändert.












