Mittwoch beim Meister SC Magdeburg: Neuformierte Zebraherde steht vor Auswärts-Herkulesaufgabe

Bundesliga

Mittwoch beim Meister SC Magdeburg: Neuformierte Zebraherde steht vor Auswärts-Herkulesaufgabe

Nach dem Heim-Derby ist vor der Auswärts-Herkulesaufgabe in der Opel Handball-Bundesliga: Die neuformierte Zebraherde hatte kaum Zeit, die vielbeachtete Partie mit dem alles entscheidenden Videobeweis einer im Spiel einhundert Mal vorkommenden Szene gegen die SG Flensburg-Handewitt am vergangenen Samstag Revue passieren zu lassen. Sonntag stand ein individuelles Krafttraining auf dem Programm, bei dem das Geschehen vom Vorabend verdaut werden konnte, und am Montag richtete sich der Blick des THW Kiel bereits auf die Weltklasse-Auswahl des SC Magdeburg: Am Mittwoch empfängt der amtierende Deutsche Meister die Zebras in der ausverkauften Getec-Arena. Anwurf ist um 19 Uhr, der Handball-Streamingkanal Dyn überträgt wie gewohnt live.

"Wir sind auf einem gesunden Weg"

Ein Trainer in einem weißen Hemd spricht intensiv mit einem Spieler, der ein Trikot mit der Rückennummer 35 und dem Namen „Makuc“ trägt. Der Trainer hält den Arm des Spielers fest, und beide befinden sich auf einem hellblauen Sportplatz, wo sie sich auf den Vorbericht zum Auswärtsspiel des THW Kiel beim deutschen Meister SC Magdeburg am Mittwoch vorbereiten.Das Derby abhaken, schnell den Fokus auf die nächste Aufgabe richten. Nicht einfach angesichts dessen, was die Zebras am Samstag in eigener Halle erleben mussten. Und dennoch geht das Handball-Leben für die noch immer ungeschlagenen Zebras mit rasanter Geschwindigkeit weiter. "Das Unentnschieden tat weh, gefühlt war es ein verlorener Punkt", sagte THW-Trainer Börge Lund nach dem 31:31. Aber auch: "Flensburg war unser erstes Spiel gegen eine Weltklasse-Mannschaft. Es hat gezeigt, dass wir in unserer neu zusammengebastelten Mannschaft die Qualität haben, um auch gegen solch ein Team zu bestehen." Trotzdem habe man sehen können, dass man noch nicht Stabilität habe, um dieses Niveau über 60 Minuten zu halten. "Das ist ein Prozess, in dem die Mannschaft mittendrin ist. Wir sind auf einem gesunden Weg. Das, was wir gegen Flensburg investiert haben, war nicht umsonst. Wir nehmen das mit nach Magdeburg und in die dann folgenden Spiele."

Titelfavorit in allen Wettbewerben

Ein Handballtrainer gestikuliert während eines Spiels neben einem Spieler in einem grün-roten Trikot, während im Hintergrund eine Menge Zuschauer zuschaut.

Bennet Wiegert mit Neuzugang Oskar Vind

Champions-League-Sieger 2023 und 2025, European-League-Sieger 2021, Club-Weltmeister 2021, 2022 und 2023, DHB-Pokalsieger 2024, Deutscher Meister 2022, 2024 und 2026: Keine andere Mannschaft hat den Handball in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren so bestimmt wie der SC Magdeburg. Der Traditionsverein aus der Börde, bei dem bereits seit 2015 Bennet Wiegert die Verantwortung an der Seitenlinie und seit 2017 als Geschäftsführer Sport auch bei den Transfers trägt, ist auch in dieser Spielzeit wieder der große Favorit auf alle Titel, die im Vereinshandball zu vergeben sind. Kein Wunder, spielt der SCM doch auch finanziell mit im Konzert der ganz großen. Mit Unterstützung vieler Partner haben die Bördestädter alle anderen deutschen Mannschaften in der Frage der Budget-Größe überholt, stehen jetzt auf einer Stufe mit Clubs wie Paris Saint-Germain. Das viele Geld wurde gut investiert, hat der SCM sich doch über die Jahre eine Weltklasse-Mannschaft zusammengestellt, die selbst in der stärksten Liga der Welt ihresgleichen sucht.

Ausschließlich Nationalspieler und Youngster im Kader

Zwei männliche Handballspieler in grünen und roten Trikots stehen nebeneinander auf dem Spielfeld und scheinen sich über etwas zu unterhalten. Einer trägt eine Brille; beide haben Sponsorenlogos auf ihren Trikots. Im Hintergrund ist ein Tor zu sehen.

Rückkehrer: Antonio Seradilla im Gespräch mit Magnus Saugstrup

Bis auf die vor dieser Spielzeit aus der A-Jugend-Meistermannschaft hochgezogenen SCM-Youngsters Malte Elze (Kreis, ersetzt mit Tom Wolff den nach Hannover gegangenen Tim Zechel) und Tim Thielicke (Rückraum Mitte) stehen im Kader der Bördeststädter ausschließlich Spieler mit A-Nationalmannschafts-Erfahrung. Im vergangenen Sommer wurde zudem ein sanfter Umbruch eingeleitet: Kapitän Christian O'Sullivan (35) musste gehen, wechselte zum TBV Lemgo Lippe. Für die Lücke im Defensiv-Verbund holte man sich Verstärkung, die sich bereits gut mit den Magdeburger Systemen auskennt: Antonio Serradilla (27). Der Spanier kehrte nach einem Jahr beim TVB Stuttgart wieder zurück in die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt, in der er schon in der Spielzeit 2024/2025 das SCM-Trikot trug und sich mit der Mannschaft zum Champions-League-Sieger krönte. Ein vollkommen neues Gesicht in der Getec-Arena ist indes Oskar Vind: Der 26-jährige Rechtsaußen wurde für Tim Hornke verpflichtet, der seine Karriere beendete. Vind, dänischer Nationalspieler, gab sich quasi die Klinke mit Manuel Zehnder in die Hand, der zu Vinds vorherigem Club GOG nach Dänemark wechselte.

Kroatisches Nationaltorhüter-Gespann im Kasten

Ein Handballtorwart in Blau macht sich bereit, einen Wurf abzuwehren, während ein gegnerischer Spieler in Grün zum Wurf ansetzt. Auf dem Spielfeld sind außerdem ein weiterer Spieler in Weiß und ein Schiedsrichter in Gelb zu sehen. Im Hintergrund verfolgt das Publikum das Geschehen.

Kam vom VfL Gummersbach: Dominik Kuzmanovic

Insgesamt ist der Kader der Magdeburger in dieser Spielzeit wieder etwas kleiner geworden, ohne aber an Qualität eingebüßt zu haben. Beispielsweise konnte man nach der Genesung von Matthias Musche auf die Dienste von Linksaußen Sebastian Barthold (ging nach Mors-Thy) verzichten. Und auch im Tor stehen aktuell wieder nur zwei Spieler: Im vergangenen Jahr holte man Kroatiens 2,05 Meter großen Nationaltorhüter Matej Mandic (24) aus Zagreb, um die Sperrzeit von Nikola Portner (verabschiedete sich im Sommer zu Pick Szeged in Ungarn) mit einem Zukunftsmodell zu überbrücken. Jetzt verpflichtete man für den zum FC Barcelona gegangenen spanischen Weltklasse-Torhüter Sergey Hernandez (31) auch noch Kroatiens Nummer eins, Dominik Kuzmanovic vom VfL Gummersbach. Im Angriff ist Magdeburg von allen Top-Teams die einzige Mannschaft, die auf einen komplett eingespielten Rückraum zurückgreifen kann. In diesem ist die Rolle von Felix Claar neben Gisli Kristjansson und Omar Ingi Magnusson zuletzt immer größer geworden: Mit 37 Treffern ist der Schwede bester Torschütze seiner Mannschaft vor Matthias Musche (35) und Kristjansson (10), der mit 30 Assists weiterhin der beste Torvorlagen-Geber in der stärksten Liga der Welt ist.

Bietigheim bei der "Generalprobe" aus der Halle gefegt

Ein männlicher Handballspieler in einem grün-roten Trikot macht sich während eines Spiels bereit, den Ball zu werfen; im Hintergrund sind das Publikum und die Anzeigetafel unscharf zu sehen.

Bester Torschütze: Felix Claar

"Wir haben einen ähnlichen, eingespielten Kader wie in der Vorsaison, gehören natürlich zu den Favoriten", sagte der neue Kapitän Magnus Saugstrup vor dem Saisonstart. Und dieser Rolle wurden die Magdeburger schnell gerecht: Im Supercup wurden die Füchse Berlin mit 38:31 aus der Halle gefegt. Der Supercup war die letzte Trophäe, die Bennet Wiegert noch nicht auf der persönlichen Siegesliste hatte - mit dem ersten Titel der Saison war auch dieses offene Kapitel erfolgreich abgeschlossen. Auch der Hammer-Start in die stärkste Liga der Welt war ein vielbeachteter und erfolgreicher: Zunächst übersprang man die hohe Auswärtshürde Gummersbach (33:31), dann schickte man Berlin mit 36:31 auf die Heimreise. Beim 31:30 in Balingen half das Glück mit, bei der MT Melsungen geriet der Deutsche Meister dann aber ins Straucheln und verlor mit 34:37. Ihren Frust über die erste Liga-Niederlage seit Februar bekam am vergangenen Wochenende der Aufsteiger SG BBM Bietigheim zu spüren: Mit 33:24 wurden die Baden-Württemberger aus der Getec-Arena gejagt, selbst Abwehrmann Serradilla zeigte sich dabei in Torlaune und erzielte fünf Treffer.

Kompakt-Infos zum Spiel 

Jetzt wollen die Magdeburger an der Zebraherde Revanche nehmen für die vergangene Spielzeit, in der der THW Kiel die einzige Mannschaft war, gegen die der SCM nicht gewinnen konnte (siehe auch Gegnerstatistik im THW-Archiv). Dyn überträgt die Partie des 16. Spieltags live. Eigentlich sollte das Spiel, das vom erfahrenen Topspiel-Gespann Fabian Baumgart/Philipp Dinges geleitet wird, Mitte Dezember ausgetragen werden. Es wurde jetzt aber zwischen die beiden Kieler Heimspiele gegen Flensburg und Gummersbach (3.10., Resttickets) gelegt, da die Getec-Arena am ursprünglich vorgesehen Termin durch eine Pferde-Revue belegt ist. Trotzdem ist die Arena mit 6.600 Zuschauern natürlich restlos ausverkauft, wenn die Zebras in Magdeburg ihre Visitenkarte abgeben. Den THW Kiel erwartet dort also der bekannt hitzige Hexenkessel. "Wir haben uns vorgenommen, uns davon nicht provozieren zu lassen und die Ruhe zu bewahren", sagt THW-Rückraumspieler Eric Johansson. "Auswärts in Magdeburg zu bestehen, ist für uns in dieser Findungsphase mit den neuen Spielen und unserem neuen Trainer Börge eine große Herausforderung. Aber wir haben Bock darauf!" Weiter geht die Entwicklung in Magdeburg, Kiel!