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27:27 beim ThSV Eisenach: Chancenverwertung kostet Punkt im Hexenkessel

Bundesliga

27:27 beim ThSV Eisenach: Chancenverwertung kostet Punkt im Hexenkessel

Gekämpft, alles gegeben, aber am Ende an der eigenen Chancenverwertung verzweifelt: Der THW Kiel ließ in der hektisch-hitzigen Atmosphäre der Eisenacher "Hölle" Werner-Aßmann-Halle einen Punkt liegen. Am Freitagabend gab es beim ThSV Eisenach in der DAIKIN Handball-Bundesliga beim 27:27 (14:12) einen Dämpfer. Dabei waren die Zebras über die gesamte Spielzeit das bessere Team, spielten sich Torchancen en masse heraus. Am Ende ließen sie aber zu viele davon liegen und  scheiterten am "Helden" der Eisenacher Mannschaft, Torhüter Matija Spikic. Der Kroate avancierte mit insgesamt 16 Paraden zum Kieler Spielverderber.

Starker Domagoj Duvnjak

Bester Kieler Torschütze war Rechtsaußen Lukas Zerbe, der siebenmal ins gegnerische Tor traf. Kapitän Domagoj Duvnjak, der überragend in der Abwehr agierte und steter Antreiber war, verdiente sich ebenfalls Bestnoten. Als die Zebras ab der 45. Minute lange Zeit hinten lagen, nahm "Dule" das Heft auch im Angriff in die Hände, wurde zum Kopf der Mannschaft und war maßgeblich an der erfolgreichen Aufholjagd beteiligt. "Beide Mannschaften haben vor allem mit ihrer kämpferischen Leistung überzeugt", analysierte Duvnjak die 60 aufwühlenden Handballminuten. "Unter dem Strich ist das Unentschieden wohl gerecht. Wir haben uns gegen die Eisenacher Abwehr und vor allem gegen den Torwart schwer getan. Aber wir haben gekämpft, gekämpft, gekämpft. Dass es nicht zum Sieg gereicht hat, ist schade, das tut weh. Aber wir müssen aus diesen Spielen lernen und gucken jetzt nach vorne." 

Fünf-Tages-Tour kostete Körner

Eine starke Partie lieferte auch Elias Ellefsen á Skipagötu ab, der vor allem als Anspieler glänzte, sich auch von den überharten Attacken der Heimmannschaft nicht beirren ließ. Allerdings zog auch der junge Färinger wie seine Nebenleute am Fahrkartenschalter, übernahm aber gleichzeitig viel Verantwortung. Denn beim Kieler Fünf-Tage-Trip über die polnische EHF-European-League-Station Ostrow Wielkopolski waren die verletzten Leistungsträger Emil Madsen (Knorpelschaden Knie), Hendrik Pekeler (Achillessehnenriss) und Nikola Bilyk (Adduktoren) gar nicht erst in den Bus gestiegen. Sie fehlten natürlich auch in Thüringen, was vor allen Dingen zu lasten von Eric Johansson geht: Er ist aktuell auf seiner Position auf sich allein gestellt, kann nur punktuell von Youngster Rasmus Ankermann unterstützt werden, der aber behutsam aufgebaut werden soll.

Hin und her im ersten Durchgang

Drei männliche Handballspieler in Aktion; einer in einer weiß-schwarzen Uniform hält den Ball und wird von zwei Spielern in blauen Uniformen während eines Spiels eng verteidigt, mit Zuschauern im Hintergrund.Denn Spiele im höllischen Lärm der Werner-Aßmann-Halle sind alles andere als ein Zuckerschlecken. Für jeden Bundesligisten. In den Gemäuern der thüringischen Lutherstadt geht’s zur Sache. So auch, als der Rekordmeister seine Visitenkarte in der mit 2850 Fans rappelvollen Handball-Arena präsentierte. Die Zebras starteten gut in die Partie, aber im Angriff fehlte das Glück. Eric Johansson scheiterte frei an ThSV-Torhüter Spikic, wenig später ging's Kreisläufer Lukas Laube genauso. Eine Szenerie, die sich wie ein roter Faden durch das Kieler Spiel zog. Als sie aus ihren Chancen Tore machten, gaben die Zebras den Ton an, ließen sich auch nicht von dem Pfeif-Druck der Tribünen irritieren. Mit einem 4:0-Lauf legten sie ein 5:2 vor. Im Mittelpunkt der Aktionen waren zunächst Andreas Wolff und im Angriff Elias Ellefsen á Skipagötu, der seine Mitspieler glänzend bediente, Siebenmeter herausholte. Dann kehrte die Abschlussschäche zurück, die Gastgeber nutzten das und hatten in der 15. Minute beim 7:6 wieder die Nase vorn. 

Zebras zur Pause zwei Tore vorn

Die Hölle Werner-Aßmann-Halle wurde ihrem Ruf vollauf gerecht, die Tribünen sorgten für ordentlich Hektik. Doch die Kieler bewahrten die Ruhe in diesem Hexenkessel - auch als Joelsson und Walz den ersten Zwei-Tore-Vorsprung für Eisenach herauswarfen. Filip Jicha reagierte, brachte Gonalo Perez de Vargas für Wolff. Der Spanier führte sich sofort mit einer Glanzparade gegen Joelsson ein, á Skipagötu setzte sich gegen die ThSV-Abwehr durch, egalisierte auf 12:12. Und nach einem raffinierten Ballklau des Färingers, dem folgenden grandiosen Anspiel des jungen Mittelmanns auf Lukas Laube, der eiskalt verwandelte, lagen die Zebras wieder vorn. Mit 14:12 ging es in die Halbzeit.

Ball landet zu selten im Eisenacher Netz

Ein Handballspieler in einem blauen Trikot springt in der Luft zur Seite, um einen Schuss abzugeben, während sich zwei Verteidiger in Weiß und ein gelb gekleideter Torwart darauf vorbereiten, ihn abzuwehren. Eine Menschenmenge schaut von der Tribüne im Hintergrund zu.Zurück auf dem Spielfeld war es dann erneut á Skipagötu, der einen Ball in der Abwehr eroberte, Johansson in Szene setzte. Doch der Schwede ließ die Chance ungenutzt. Es ging jetzt hin und her mit der Führung, Lukas Zerbe blieb treffsicher, erzielte nach wunderbarem Anspiel von Harald Reinkind die 16:15-Führung. Die Gastgeber drehten das Spiel aber erneut mit Unterstützung der Kieler Offensive, die sich weiter großartige Möglichkeiten erspielte, beim Abschluss aber fahrlässig blieb. Filip Jicha drückte beim 16:18 auf den Buzzer, beschwor seine Spieler, in dieser enormen Hektik Ruhe zu bewahren. Weil im Sechs-gegen-Sechs nicht mehr viel passierte, setzte er wie schon im ersten Durchgang auf den siebten Feldspieler . Und ja, Chancen spielten sich die Kieler weiter heraus, wie am Fließband. Nur: Der Ball landete bei Spikic, an der Lattenunterkante, am Pfosten - und daher viel zu selten im Eisenacher Tornetz. Dafür schlug es mehrfach im verwaisten Kieler Kasten ein, wurden Offensiv-Fehler der Zebras von den Gastgebern gnadenlos bestraft. So stand es nach 44 Minuten 17:20, wenig später 18:21.

Nervenschlacht bis zum Unentschieden

Ein männlicher Handballspieler in einem weiß-schwarzen Trikot liegt auf dem Spielfeld und schaut auf den Ball, der im Vordergrund verschwommen ist. Im Hintergrund sind andere Spieler und Zuschauer zu sehen.Zeit für "Dule", die Initiative zu ergreifen. Der Kieler Kapitän sorgte für Ordnung im Angriffsspiel, war Chef im Ring in der phasenweise offensiven Abwehrreihe und traf selbst. Großartig sein Solo in der 50. Minute, das er zum 23:24 abschloss. Wenig später traf á Skipagötu zum 24:24, und als Magnus Landin und á Skipagötu erneut zur Stelle waren und Wolff zwei wichtige Paraden beisteuerte, hatten die Zebras in der 54. Minute mit 26:24 die Nase vorn. Einem weiteren á Skipagötu-Tor wurde wegen eines angeblichen Schrittfehlers die Gültigkeit verwehrt, so konnte sich Eisenach erneut zurückkämpfen. Der ThSV glich zum 26:26 aus, ließ sich auch durch die erneute THW-Führung von "Dule" nicht beirren. Ausgerechnet ein Fehlpass des Kapitäns ermöglichte Büchner das 27:27. Die letzte Minute geriet zum Nervenspiel: Spikic parierte gegen Duvnjaks Notwurf, Eisenach kam in Ballbesitz und hatte die Chancen zum Siegtreffer. Diese machte Duvnjak mit einem letzten abgefangenen Ball zunichte, für eine Kieler Siegtreffer war es da aber schon zu spät. So blieb es beim 27:27-Unentschieden.

Europa-Gruppenphase endet Dienstag mit Kracher in Kiel

Für die Zebras steht am Dienstag das letzte internationale Kräftemessen des Jahres 2025 bevor. Und das im Wortsinn, geht es für den THW Kiel im Duell mit der französischen Weltklasse-Mannschaft Montpellier HB doch nicht nur um den Gruppensieg, sondern auch um zwei wichtige Zähler für die Hauptrunde. Denn die Punkte gegen ebenfalls qualifizierte Teams werden in die nächste Phase des Wettbewerbs, in der unter anderem der Titelverteidiger aus Flensburg auf den THW Kiel wartet, mitgenommen. Das Hinspiel in Frankreich hatten die Zebras mit 30:28  gewonnen, nun wollen sie mit ihrer lautstarken "weißen Wand" auch das Rückspiel gegen die mit Top-Stars bestückte französische Mannschaft für sich entscheiden. Tickets für das "Finale" in Kiel gibt es in der THW-FANWELT, die am Spieltag durchgehend von 10 Uhr bis zum Anpfiff um 20:45 Uhr geöffnet hat, und online unter www.thw-tickets.de. Weiter geht’s gegen Montpellier, Kiel!

Text: Reimer Plöhn / Fotos: ThSV/Christian Heilwagen

DAIKIN Handball-Bundesliga, 14. Spieltag: ThSV Eisenach - THW Kiel: 27:27 (12:14)

ThSV Eisenach: Spikic (1.-60., 16 Paraden), Heinevetter (1 Siebenmeter, keine Parade); Joelsson (4), Reichmuth, Beneke, Hangstein, Attenhofer, Walz (2), Ende (2), Aellen (5/3), Meyer (1), Antonijevic (4), Seitz (3), Kurch (1), Büchner (4), Saul; Trainer: Hinze
THW Kiel: Perez de Vargas (24.-45., 1 Parade),Wolff (1.-24., 45.-60., 5 Paraden); Duvnjak (4), Reinkind (3), Landin (2), Överby, J. Dahmke (n.e.), Laube (2), Johansson (3), Ankermann (n.e.), R. Dahmke, Zerbe (7/4), á Skipagötu (6), Imre (n.e.), Nacinovic; Trainer: Jicha

Schiedsrichter: Markus Kauth / Andre Kolb
Zeitstrafen: ThSV: 4 (Aellen (7.), Kurch (8.), 2x Seitz (16., 51.)) / THW: 3 (2x Laube (29., 35., Överby (25.))
Siebenmeter: ThSV: 4/3 (Aellen überweg (41.)) / THW: 4/4
Spielfilm: 2:1 (4.), 2:5 (9.), 4:6 (11.), 7:6 (14.), 8:7, 8:9 (18.), 10:10, 12:10 (24.), 12:14 (28.);
2. Hz.: 14:14 (33.), 15:16 (35.), 18:16 (39.), 20:17 (44.), 21:20 (47.), 24:22 (50.), 24:26 (54.), 26:26 (55.), 26:27, 27:27 (59.).
Zuschauer: 2850 (ausverkauft) (Werner-Aßmann-Halle, Eisenach)

Stimmen zum Spiel: 

THW-Trainer Filip Jicha:  Es war wie erwartet eine sehr intensive, körperbetonte Partie. Ich gratuliere Eisenach zum Punkt. Sie haben besser geworfen, wir hatten hingegen eine unfassbar schlechte Wurfquote, lassen 50 Prozent unserer Würfe einfach liegen. Wir waren vorbereitet auf die Hektik, die hier manchmal auch bewusst erzeugt wird. Daher macht es mich traurig, dass wir nicht besser geworfen haben. Wir haben einhundertprozentige Torchancen liegen gelassen, und dann hat es uns verunsichert, dass wir nicht gefährlich waren. Wir wollten eigentlich den Ball schnell weiterspielen, stattdessen haben wir uns durch Fouls stoppen lassen - das Eisenacher Erfolgsrezept. Es hat leider Früchte getragen. Ich bin enttäuscht, dass wir nicht unsere Leistung gezeigt und einen Punkt gelassen haben, wobei Eisenach ja sogar noch den letzten Angriff hat. Defensiv hat sich unsere offensivere Variante geholfen, aber wir haben vorn den Sack nicht zugemacht. Ich erwarte mehr Verantwortung von meinen Jungs beim Abschluss, denn wenn du nicht triffst, läuft es so wie heute.

Eisenachs Trainer Sebastian Hinze: Wir hatten heute einen überragenden Torwart und haben in der ersten Halbzeit bis auf die Überzahl-Situation richtig gut gespielt. In der zweiten Halbzeit hilft uns Spikic, zurückzukommen. Dann hatte wir auch das nötige Quäntchen Glück bei den Lattentreffern. Domagoj Duvnjak hat beim THW überragend gespielt, sowohl offensiv im Sieben-gegen-Sechs als auch in der 3-2-1-Deckung der Kieler. Die gehen dann auch wieder in Führung, wir kommen aber noch mal zurück. Deshalb freue ich mich riesig dass wir einen Punkt geholt haben.

Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte: Wir haben einen weiteren Bonuspunkt geholt und nach 25 Jahren mal wieder etwas mitgenommen aus einem Spiel gegen den THW Kiel. Ich bin sehr stolz, das heute war ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für unsere Fans. Ein historischer Punkt.

THW-Kapitän Domagoj Duvnjak: Wir haben uns klarste Chancen herausgespielt, aber nicht das Tor getroffen. Im Sechs-gegen-Sechs haben wir uns schwergetan, im Sieben-gegen-Sechs haben wir immerhin Möglichkeiten herausgespielt, die dann aber nicht verwandelt. Entweder wir haben über 90 Prozent Angriffseffektivität oder bleiben unter 50 Prozent - das ist schwer zu erklären. Wir waren in der Crunchtime nicht cool genug, leider nicht das erste Mal in dieser Saison. Gerade im letzten Angriff waren wir zu hektisch, irgendwie fehlte immer eine Kleinigkeit. Und wir hatten leider in entscheidenden Situationen auch kein Glück, das es bei solch einem Spiel braucht. Es tut weh, dass wir nicht gewonnen haben, aber wir müssen daraus lernen. Am Ende ist das Unentschieden dem Spielverlauf entsprechend ok.