
Zebras holen sich mit Defensiv-Spektakel klaren Heim-Erfolg gegen den Handball Club Hamburg
Die MERKUR Ostseehalle wird immer mehr zur Handball-Festung: Am Sonntagnachmittag knüpfte der THW Kiel im "kleinen Derby" der Opel Handball-Bundesliga an die zurückliegenden starken Leistungen in den eigenen vier Wänden an und bildete vor allen Dingen in der zweiten Halbzeit wieder eine gemeinsame "weiße Wand" mit den Fans. Am Ende gewannen die Zebras dank einer furiosen Abwehr ihre Partie gegen den Handball Club Hamburg auch in der Höhe verdient mit 26:19 (11:11). Die Zebras benötigten gegen die kampfstarken Gäste allerdings eine Anlaufzeit von 30 Minuten, ehe die konsequente und großartige Abwehrarbeit sich auch in Toren auszahlte. Bester Torschütze war Julian Köster mit acht Treffern - der Kieler Neuzugang war gegen die südlichen Nachbarn ohne Fehl und Tadel geblieben.
Zebras nahmen 30 Minuten Anlauf
40 Minuten lang nervte der dezimierte Handball Club Hamburg die Hausherren mit einem Sieben-gegen-Sechs und zwang die Zebras zumindest im ersten Durchgang in ungewollte Hektik. Die Abwehr um den starken Gonzalo Perez de Vargas stand zwar prächtig, aber im Angriff wollten die Kieler für ihre Fans anfangs zu schnell zu viel. Daraus resultieren technische Fehler und das Auslassen bester Torchancen, was die Hanseaten in den ersten 30 Minuten auf Augenhöhe agieren ließ. Dann platzte bei den Zebras - dank einer noch besser und schneller agierenden Abwehr - der Knoten. Und das jetzt auch im Angriff, in dem Julian Köster Verantowrtung übernahm und die Zuschauer mit seinen Nebenleuten von den Sitzen riss. Die THW-Fans verwandelten ihr Zuhause wieder in ein Handball-Tollhaus, als die Zebras innerhalb von 15 Minuten entscheidend auf 22:16 davonzogen.
Beide Teams mit Verletzungssorgen
"Unsere Abwehr war großartig", analysierte später Kiels dreifacher Torschütze Harald Reinkind. "Und es ist schon etwas Besonderes, wenn die Fans über gewonnene Bälle und Blocks genauso jubeln wie über erzielte Tore." Gegen die Hanseaten musste Börge Lund nicht nur - wie erwartet - auf Emil Madsen und Eric Johansson, sondern kurzfristig auch auf Veron Nacinovic verzichten: Der kroatische Kreisläufer, für die Startformation vorgesehen, hatte das Aufwärmen noch normal absolviert, war mit in die Halle eingelaufen, bekam dann aber stechende Schmerzen im Rücken und musste zur Behandlung in der Kabine. Die Hamburger hatten ihrerseits mit personellen Problemen zu kämpfen, mussten in Kiel unter anderem auf Ex-Zebra Leon Nowottny und Mittelmann Elias Kofler verzichten. Trotzdem boten sie in den ersten 30 Minuten dem favorisierten Nordrivalen rein vom Ergebnis her ein Spiel auf Augenhöhe, erwischten nach dem 3:1 durch den agilen Harald Reinkind der Zebras auch den besseren Start.
Starker Perez de Vargas
Hamburg setzte die THW-Abwehr mit dem Sieben gegen Sechs unter Druck und legte einen 3:0-Lauf aufs Parkett. Die Folge: Nach zehn Minuten lag die Mannschaft von HCH-Trainer Torsten Jansen in Front, setzte weiterhin auf Überzahlspiel im Angriff und hatte die Nase stets knapp mit einem Tor in Front. Und der THW? Bot ein großartiges Spiel in der Abwehr. Trainer Börge Lund setzte dabei auf die 5:1-Variante mit Julian Köster in vorgezogener Position. Dahinter agierten zumeist Hendrik Pekeler, Lauf- und Kampfwunder Rasmus Ankermann und Domagoj Duvnjak. Außerdem war "Gonschi" im THW-Tor wiederholt zur Stelle, parierte auch den Siebenmeter von Andersen. Das Kieler Manko: Im Angriff und Abschluss häufte sich die Fehlerzahl. Nahezu jeder Spieler streute Fehler ein. Als Vincent Büchner den Ball bei einem Tempogenstoß verstolperte, Lukas Zerbe einen HSH-Abwehrspieler "bediente" und weitere klare Chancen ungenutzt blieben, drückte Trainer Börge Lund nach 18 Minuten auf den Buzzer, sprach beruhigend auf seine Männer ein. Domen Makuc beendete die einige Minuten dauernde anhaltende Torflaute schließlich mit seinem Treffer zum 7:7,
Makuc reißt die Fans von den Sitzen
Und natürlich war da auch noch Domen Makuc: Der wendige, trickreiche Slowene war erneut nicht zu bremsen, glänzte als wirkungsvoller Ankurbler vieler THW-Aktionen und erzielte Mitte der zweiten Halbzeit das schönste Tor der Partie, als er sich unaufhaltsam durch die Hamburger Abwehr schlängelte, die Zuschauer von den Sitzen riss. Erfreulich, dass auch Lukas Laube Selbstvertrauen sammelte, zweimal sicher vom Kreis einnetzte und seinen Part zum umjubelten Triumph beisteuerte. Spätestens als Lukas Zerbe seinen dritten von drei verhängten Siebenmetern in der 51. Minute zum 23:16 für Kiel sicher im Hamburger Tor einschlagen ließ, war die Partie entschieden, der THW hochverdienter Sieger in einem abwechslungsreichen Spiel.
Kieler kommen mit viel Druck aus der Kabine
Ankermann sorgte für Jubelstürme nach Pirouette und dem Knaller zum 8:8 unter die Hamburger Querlatte. Aber Hamburg "nervte" den THW weiter mit Überzahlspiel, rettete das 11:11 in die Halbzeitpause. Aus den Kabinen stürmten dann wie verwandelt auftretende Zebras, gossen die eigene Abwehr fortan in Beton. Und jetzt spielten sie auch im Angriff wie aus einem Guss. Allen voran begeisterte Julian Köster mit Durchsetzungsvermögen und Treffsicherheit. Der ehemalige Gummersbacher traf per Solo, aus dem Rückraum und streute auch einen Treffer aus dem Mittelkreis ins leere Hamburger Tor bei. Köster riss die Arme jubelnd in die Höhe, nahm die Fans mit und provozierte mit seinem Treffer zum 17:13 in der 38. Minute die HCH-Auszeit durch Trainer Jansen. Insgesamt packte der 26-Jährige fünf weitere Tore auf seine drei aus dem ersten Durchgang drauf, zeigte sein wohl bisher stärkstes Spiel für die Zebras im Angriff.
Donnerstag geht's gegen die Löwen
Bereits am Donnerstag sind die Zebras und ihre Fans wieder richtig gefordert: Dann hat der THW Kiel die Rhein-Neckar Löwen zu Gast, die zuletzt mit Problemen zu kämpfen hatten und deshalb mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch an die Förde reisen werden. Das Duell mit den Mannheimern war auch in der Vergangenheit stehts ein Garant für packende Spannung: Noch gibt es einige Tickets für das Heimspiel in der MERKUR Ostseehalle, das Dyn live überträgt: Restkarten gibt es in der THW-FANWELT und online unter www.thw-tickets.de. Weiter geht die Entwicklung am Donnerstag gegen die Löwen, Kiel!
Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn
Opel Handball-Bundesliga, 8. Spieltag: THW Kiel – Handball Club Hamburg 26:19 (11:11)
THW Kiel: Perez de Vargas (1.-60., 11/1 Paraden), Wolff (n.e.); Faust, Duvnjak (1), Reinkind (3), Köster (8), Laube (2), Ankermann (2), Dahmke (1), Zerbe (3/3), Makuc (4), Pekeler (1), á Skipagötu, Büchner (1), Nacinovic (n.e.); Trainer: Lund
HC Hamburg: Haug (1.-48., 4 Paraden), Pein (48.-60., 5 Paraden); Gadza, Norlyk (2), Kofler, Jörgensen (3/1), Axmann, Geenen, Bo Andersen (5), Beyer (4/1), Olafsson, Daling, Unbehaun, Schmidt, Hadzic (1), Hovde (4); Trainer: Janssen
Schiedsrichter: Konrad Gimmler / Jannik Rips
Zeitstrafen: THW: 0 / HCH: 1 (Jörgensen (39.))
Siebenmeter: THW: 3/3 / HCH: 3/2 (Perez de Vargas hält Bo Andersen (6.))
Spielverlauf: 1. Hz: 0:1, 3:1 (5.), 3:4 (10.), 6:7 (15.), 8:9 (23.), 10:11 (28.), 11:11;
2. Hz: 12:11, 12:12 (33.), 14:12, 16:13 (38.), 18:15 (40.), 21:15 (45.), 24:16 (52.), 24:19 (59.), 26:19.
Zuschauer: 10.209 (MERKUR Ostseehalle, Kiel)
Stimmen zum Spiel:
THW-Trainer Börge Lund: Hamburg hat das richtig gut gemacht, das Sieben-gegen-Sechs im ersten Durchgang sehr geduldig gespielt. Wir haben versucht, das zu stoppen und das auch gut hinbekommen. Elf Gegentore zur Pause sagen es ja aus, dass es heute nicht an der Abwehr gelegen hat. Aber durch das Hamburger Spiel haben wir im Angriff ein bisschen die Geduld verloren: Wenn du eine Minute in der Abwehr stehst, du aber in einem Heimspiel mit Leidenschaft agieren möchtest, passiert das schon mal. Wir haben zum Beispiel den Ball früh weitergespielt, statt selbst Verantwortung zu übernehmen. In der zweiten Hälfte haben wir in der Abwehr den Gegner noch mehr unter Druck gesetzt, haben ein besseres Laufspiel aufgezogen. Dann kam die Phase, wo die Mannschaft und die Halle wieder zusammen leben, das gibt uns dann den Push Extra-Energie. Und das Momentum, das dann auf unsere Seite wandert, geben wir dann auch nicht mehr her. Die letzten zehn, 15 Minuten waren für uns dann ein komfortables Spiel, da hatten wir alles unter Kontrolle.
HCH-Trainer Torsten Jansen: Wir mussten heute viel improvisieren, haben mit einer Vielzahl an kurzfristigen Ausfällen und Langzeitverletzten zu kämpfen, heute kam dann auch noch Elias Kofler hinzu. So wie wir zu spielen, macht auch mir keinen Spaß. Aber wir sind dem THW Kiel in der ersten und auch noch in weiten Teilen der zweiten Halbzeit damit gehörig auf den Senkel gegangen. Wir haben das vor allen Dingen in der ersten Halbzeit richtig gut gemacht und haben den THW Kiel gezwungen, die Geduld zu verlieren. So konnte wir das offen gestalten. In der zweiten Hälfte haben wir dann zu schnell ein paar Fehler zu viel gemacht, aber das soll kein Vorwurf an mein Team sein. Wir müssen jetzt zusehen, dass wir einige Spieler zurück- und einige hinzubekommen, damit wir unsere Saisonziele nicht aus den Augen verlieren.












