
42:32 gegen Pick Szeged: Saison-Eröffnung der Zebras macht Lust auf die kommende Spielzeit
Der THW Kiel ist endlich zurück in seiner Heimspielstätte, zurück in der geliebten und von den Gegnern bald wieder gefürchteten MERKUR Ostseehalle. Und macht nach einer wahren Handball-Gala gegen einen europäischen Spitzenklub Lust auf die kommende Saison. Rund eine Woche vor dem Start in die Opel Handball-Bundesliga erlebten 6700 begeisterte Fans - darunter rund 3000 meist junge Mitglieder der vielen Clubs aus dem Land, die den "Tag der Vereine" zelebrierten - den letzten Härtetest der neu formierten Zebras gegen den ungarischen Spitzenklub OTP Bank Pick Szeged. Nach holprigem Start kamen die Zebras schnell in die Hufe und gewannen 42:32 (20:15). "Das hat sehr viel Spaß gemacht gegen einen starken Gegner", sagte Neuzugang Julian Köster, der sieben Treffer zum Kantersieg beisteuerte. Der neue Kieler Kapitän betonte aber auch, dass "wir noch viel Arbeit vor uns haben. Vor allem über den Kreis haben wir zuviele Tore kassiert."
Emil Madsen wagt erste Schritte
Überraschung schon vor dem Anpfiff: Während Kreisläufer Hendrik Pekeler (Schulterprobleme) und Vincent Büchner (Adduktoren) leider nicht beim ersten Auftritt der neuen Zebraherde vor den eigenen Fans dabei sein konnten, meldeten sich alle weiteren Zebras bereit. Auch Emil Madsen. 330 Tage Leidenszeit nach seiner schweren Knieverletzung mit Operation, fast elf Monate Rehazeit nach seinem bisher letzten Einsatz für den THW Kiel im September 2025 - Vergangenheit. Jetzt wagte der 25 Jahre alte Rückraum-Linkshänder bei der Saison-Eröffnung der Kieler erste Schritte zurück auf das Handballfeld, traf kurz nach seiner umjubelten Einwechslung in der 26. Minute zum 19:13 und 20:14, später erzielte der Däne zwei weitere Treffer in den Schlussminuten und strahlte bei der anschließenden Autogrammrunde mit den vielen hundert Kindern in der Halle um die Wette: "Es war nur ein Test, aber wir hatten wirklich sehr viel Spaß. Und dass ich wieder dabei war, das macht mich einfach nur glücklich!"
Zebras überzeugen mit Tempo, Rasse und Klasse
Beide Teams boten über 60 Minuten eine konzentrierte und engagierte Leistung. Auch wenn den Zebras deutlich anzumerken war, wie sehr sie sich auf diesen Auftritt in der Heimat gefreut hatten. Dieser setzte offenbar zusätzliche Energie frei, und das begeisterte die THW-Fans. Die Kieler agierten mit Tempo, Rasse und Klasse. In der Abwehr stellten die Schützlinge von Neu-Trainer Börge Lund den Gegner mit neuen Abwehrvariationen vor Probleme, wechselten fließend von 5:1-, auf 6:0-Varianten. Und vorne griffen die Kieler ein ums andere Mal in die Zauberkiste. So waren die Fans über weite Strecken schlichtweg begeistert, bejubelten in der 42. Minute beim 32:19 den höchsten Vorsprung. Zunächst vertraute Lund im Angriff auf ein Aufgebot ohne seine Neuzugänge. Eric Johansson, Harald Reinkind und Elias Ellefsen à Skipagötu wirbelten im Rückraum, am Kreis vertraute er auf Lukas Laube und auf die Außen Rune Dahmke und Lukas Zerbe. Die Gäste legten zwar eine schnelle 4:1-Führung vor, doch die Lund-Schützlinge ließen sich davon nicht beirren.
Ellefsen à Skipagötu nimmt Heft in die Hand
Mittelmann Ellefsen à Skipagötu nahm das Heft in die Hand, glänzte mit fantastischen Anspielen, war auch selbst erfolgreich. Als Nacinovic schnell schaltete, den Ball ins leere Gästetor beförderte, Zerbe wenig später per Doppelschlag erfolgreich war, war der erste Kieler 5:0-Lauf perfekt: Die Zebras gingen mit 8:6 in Front, gaben die Führung in der gesamten Partie nicht mehr her. Nach und nach beorderte Lund dann auch seine Neuzugänge auf die Platte: Köster, zuvor schon in der Abwehr mit starker Leistung, bejubelte in der 16. Minute sein erstes Tor in der MERKUR Ostseehalle, ließ wenig später Tor Nummer zwei zum 12:9 folgen, brachte mit seinen Treffern noch mehr Sicherheit ins Kieler Spiel. Als der ehemalige Gummersbacher nach 19 Minuten zum 15:11 einnetzte, trommelte Gästetrainer Apelgren seine Truppe zur ersten Auszeit zusammen. Den Sturmlauf der Kieler hielten die Gäste dennoch nicht auf.
Fünf-Tore-Führung zur Pause
Reinkind traf, großartig von Ellefsen à Skipgagötu bedient. Zerbe, mit neun Treffern erfolgreichster Kieler Torschütze, war wenig später zum fünften Mal zur Stelle, feierte das Tor zum 17:12. Gut für den THW, dass auch Torhüter Gonzalo Perez de Vargas sich mehr und mehr steigerte, sieben Bälle bis zum Pausenpfiff aufhielt, außerdem den Siebenmeter von Szegeds Szilagyi unschädlich machte. In der 22. Minute schickte Lund dann auch Domen Makuc auf die Platte. Der slowenische Mittelmann fügte sich sofort ins Spiel seiner Mannschaft ein, glänzte zunächst mit großartigen Anspielen. Mit dem 20:15-Pausenstand waren die Gäste gut bedient.
Makuc wirbelt Szegeds Abwehr durcheinander
Nach dem Wechsel ging es weiter wie zuvor. Der THW Kiel bestimmte die Partie, drückte vor allem gewaltig aufs Tempo, ließ der europäischen Spitzenmannschaft zeitweise nicht den Hauch einer Chance. Bezeichnend war dann der 8:0-Lauf zwischen der 32. und 39. Minute zum 29:17-Zwischenstand. Domen Makuc bejubelte in der 38. Minute seinen ersten THW-Treffer in neuer Heim-Umgebung, fügte noch weitere vier bei seiner Ostseehallen-Premiere hinzu. Auch er sorgte so für Begeisterungsstürme beim Kieler Anhang. Allerdings drehten die Gäste in den Schlussminuten noch einmal auf, schafften so zwischenzeitlich eine Resultatsverbesserung 30:38. Rückkehrer Jarnes Faust freute sich ebenfalls über seinen ersten Treffer nach der Rückkehr aus Lemgo - und seine Mitspieler darüber, dass es das 40. Tor war, für das Faust eine Mannschaftsrunde Getränke ausgeben muss. Und als Emil Madsen in der 60. Minute zum 42:32 und letzten Mal ins ungarische Tor traf, ging ein Spiel zu Ende, das Lust auf mehr und die kommende Saison machte.
Saisonauftakt am Donnerstag gegen Lemgo
Mit der Partie gegen Pick Szeged endete für den neu aufgestellten THW Kiel die Vorbereitung auf die Spielzeit 2026/2027 in der Opel Handball-Bundesliga, die am Donnerstag gleich mit einem echten Kracher beginnt: Denn zu Gast ist mit dem TBV Lemgo Lippe die Mannschaft, die den „alten Zebras“ im letzten Spiel der vergangenen Saison eine empfindliche 31:34-Heimniederlage beibrachte. Doch das ist Vergangenheit, jetzt will die neuformierte Zebraherde mit Börge Lund, den etablierten THW-Spielern und den Neuzugängen den Spieß umdrehen und mit neuer Freude zu neuer Stärke finden. Allen voran Jarnes Faust: Der Rechtsaußen hatte im Juni noch fünf Mal für Lemgo getroffen, heute freut er sich auf das Duell mit seinem ehemaligen Verein: „Ich habe richtig Bock auf das Spiel, habe Bock auf unsere Fans und Bock auf eine volle Ostseehalle!“ Für das erste Heimspiel der neuen Saison, das um 19 Uhr beginnt, gibt es online unter www.thw-tickets.de und in der THW-FANWELT, die am Donnerstag von 10 Uhr bis zum Anpfiff geöffnet hat, noch Karten. Jetzt startet endlich die Saison - die Entwicklung geht weiter gegen Lemgo!
Text: Reimer Plöhn
Saison-Eröffnung: THW Kiel – Pick Szeged (HUN) 42:32 (20:15)
THW Kiel: Perez de Vargas (1.-60., 8/1 Paraden), Wolff (n.e.); Faust (1), Duvnjak (1), Reinkind (3), Köster (7), Madsen (4), Laube (4), Johansson (2), Ankermann, Dahmke (1), Zerbe (9/6), Szilagyi, Makuc (5), à Skipagötu (3), Nacinovic (2); Trainer: Lund
Pick Szeged: Mikler (31.-60., 5 Paraden), Portner (1.-30., 6/1 Paraden); Lukacs (4), Sandell (2), Fazekas (2), Csörgo, Jelinic (1), Sostaric, Frimmel (2/1), Banhidi (2), Toto (9), Horiha (4), Rosta (1), Mackovsek (1), Röd (1), Szilagyi (3/1); Trainer: Apelgren
Schiedsrichter: Lukas Müller/Robert Müller
Zeitstrafen: THW: 3 (Nacinovic (3.), Dahmke (27.), Köster (44.)) / Szeged: 2 (Toto (7.), Jelinic (24.))
Siebenmeter: THW: 7/6 (Portner hält Zerbe (30.)) / Szeged: 4/2 (Perez de Vargas hält Szilagyi (27.), Jelnic vorbei (53.))
Zuschauer: 6700 (MERKUR Ostseehalle, Kiel)
Stimmen zum Spiel:
THW-Trainer Börge Lund: Wir haben lange darauf gewartet, endlich wieder in dieser Halle zu spielen. Das habe ich schon beim Training in dieser Woche gespürt, die Energie hatte zugenommen, obwohl wir schon in der fünften Vorbereitungswoche sind. Heute war unser bestes Spiel der Vorbereitung. Wir sind noch nicht zu einhundert Prozent eingespielt, was das Spielerische angeht. Für mich ist es aber beinahe wichtiger, dass das Team kommunikativ gut eingespielt ist, dass die Mannschaft Lösungen findet, wenn es Probleme gibt. Wir haben sehr viel Erfahrung, Qualität und Fähigkeiten in der Mannschaft, wenn wir das im Spiel umgesetzt bekommen. Jetzt kommt der Start, und alle Mannschaften haben die gleiche Herausforderung, noch nicht zu einhundert Prozent eingespielt zu sein. Wir wollen einfach weitermachen und uns von Spiel zu Spiel entwickeln, auch was Körpersprache und Energie angeht. Wir werden Fehler machen, die Frage ist aber, wie wir damit umgehen, wie schnell man danach wieder die Möglichkeit sucht, es besser zu machen.
THW-Neuzugang Julian Köster: Natürlich ist man froh, wenn beim ersten Heimauftritt gleich der erste Wurf reingeht. Vieles ist uns heute gegen einen starken Gegner schon richtig gut gelungen, und das heute hat definitiv Lust auf mehr gemacht. Wir haben trotzdem noch sehr viel Arbeit vor uns, haben viele Bälle über den Kreis bekommen und hatten auch Missverständnisse. Deshalb sollte man aus dem heutigen Spiel nicht schließen, dass es gegen Lemgo genauso läuft. Denn das ist ein Trugschluss, wir wissen alle, wie schwer und unangenehm Lemgo zu bespielen ist.












