
EM-Update aus Kieler Sicht: Das war der dritte Hauptrunden-Spieltag der Zebra-Stars
Die Handball-EM steuert auf ihr packendes Finale hin: Am dritten Hauptrunden-Spieltag der EHF Euro gab es aus Sicht der Stars des Handball-Rekordmeisters THW Kiel Licht und Schatten. Die Übersicht im EM-Update.
Deutschland verpasst ersten Matchball gegen Dänemark
Überraschender dritter Spieltag in der Hauptrundengruppe I: Erst verspielten Portugal und Co-Gastgeber Norwegen durch ein 35:35-Unentschieden die letzte Chance aufs Halbfinale, dann musste auch Titelverteidiger und Mitfavorit Frankreich überraschend Federn lassen: Gegen die im Rennen um das Halbfinale bereits ausgeschiedenen Spanier setzte es für die Franzosen eine 32:36 (14:20)-Niederlage. Dadurch hatte die deutsche Mannschaft schon vor der Partie gegen den großen Turnierfavoriten Dänemark die Gewissheit, mit nur einem Punktgewinn aus den beiden ausstehenden Partien gegen den Gastgeber und Frankreich ins Halbfinale einziehen zu können. Doch ohne Lukas Zerbe, der von Bundestrainer Alfred Gislason nach zuvor fünf Einsätzen in der Startformation eine Pause verordnet bekam, vergab die deutsche Mannschaft ihren ersten Matchball vor 15.000 zumeist dänischen Fans in Herning. Am Ende eines starken Auftritts der DHB-Auswahl stand eine 26:31-Niederlage. Die deutsche Mannschaft hatte mit David Späth im Tor solange mitgehalten, wie das Torwart-Duell mit Weltklasse-Mann Emil Nielsen ausgeglichen war.
Fünf Minuten Unterzahl taten Deutschland weh
So kam es, dass Dänemark zehn Minuten, von der 26. bis 36. Minute am deutschen Abwehrverband zerschellte und keinen Treffer erzielte. Allerdings verpasste es die deutsche Mannschaft, daraus richtig Kapital zu schlagen. Immer wieder scheiterte der deutsche Angriff an Pfosten, Latte oder Nielsen. Sinnbildlich die letzte Aktion der ersten Hälfte: Deutschland hatte sich nach einem zwischenzeitlichen Drei-Tore-Rückstand durch Julian Köster auf 12:13 herangekämpft, doch den möglichen Ausgleich vom Siebenmeter-Strich verpasste Nils Lichtlein mit einem Wurf an den Pfosten. In der 35. Minute gelang Grgic doch noch das 13:13, doch dann kassierten im Gegenzug erst Rune Dahmke (36.), der 37 Minuten eingesetzt wurde und ein Tor erzielte, und kurz darauf Jannik Kohlbacher (38.) sowie Marko Grigic (39.) Zeitstrafen. Fünf Minuten in Unterzahl, rund 90 Sekunden davon sogar mit zwei Spielern weniger auf dem Parkett, brachten Dänemark in die Spur und taten Deutschland weh: Dänemark zog auf 17:14 davon, den Rest erledigte "Man of the match" Nielsen, der gerade in der zweiten Halbzeit seinen Kasten zunagelte und auf 14 Paraden kam. Zehn Minuten vor dem Ende waren die Dänen, bei denen Abwehrspezialist Magnus Landin im zweiten Durchgang eingesetzt wurde und ein Tor erzielte, auf sieben Tore enteilt. Die Partie war entschieden, Andreas Wolff kam für die letzten zehn Minuten und betrieb mit drei Paraden noch Schadensbegrenzung. Das Duo Pytlick/Gidsel erzielte jeweils acht Treffer für Dänemark, Renars Uscins war mit sechs Toren bester deutscher Werfer.
Packender letzter Spieltag am Mittwoch
So blickt die Handball-Welt jetzt mit Spannung auf den letzten Spieltag der Hauprundengruppe I am Mittwoch. In diesen gehen die Dänen als Tabellenführer mit sechs Punkten, der besseren Tordifferenz und dem gewonnenen direkten Vergleich mit Deutschland, das ebenfalls auf sechs Punkte kommt. Dänemark trifft Mittwoch (20:30 Uhr) auf Norwegen (live bei Dyn und unter www.sportschau.de), zuvor benötigt die deutsche Mannschaft im Prestige-Duell mit Frankreich (4 Punkte) mindestens ein Unentschieden, um das Halbfinale zu erreichen. Das Spiel wird um 18:30 Uhr angepfiffen und ist live bei Dyn und im ZDF zu sehen.
Zwei überraschende Unentschieden in Gruppe II
Zwei überraschende Unentschieden in der Hauptrundengruppe II machen den letzten Spieltag bei der Handball-EM zu einem echten Krimi. Die Schweiz knöpfte Island beim 38:38 (19:19) einen wichtigen Zähler ab, außerdem patzte Gastgeber Schweden in Malmö gegen Ungarn, leistete sich ein 32:32 (14:16), das den Schweden die fest eingeplante Teilnahme am Halbfinale kosten könnte. In der dritten Begegnung wurde Kroatien seiner Favoritenstellung gerecht, bezwang Slowenien mit 29:25 (14:11) Toren.
Schweden nur Remis gegen Ungarn
Nach der überraschend klaren Niederlage gegen Island taten sich die Schweden vor ausverkauftem Haus in Malmö auch gegen die bereits ausgeschiedenen Ungarn schwer, liefen zunächst einem Rückstand hinterher, um dann in einem packenden Kopf-an-Kopf-Rennen wenigstens noch einen Punkt zu retten. Damit wahrt der Co-Gastgeber Restchancen auf die Halbfinal-Teilnahme. Antreiber und Top-Torschütze in einer Person war Mittelmann Felix Claar vom SC Magdeburg, der zehn Tore selbst erzielte und sein Team vor dem vorzeitigen Titel-Aus bewahrte. THW-Ass Eric Johansson (1 Tor) überzeugte vor allem mit großartigen Anspielen, sorgte gerade in der Schlussphase mit seinen Pässen für Torgefahr, war auch Wegbereiter für den wichtigen Ausgleichstreffer zum 32:32 durch Albin Lagergren. Bei den Ungarn überzeugte einmal mehr Kiels Bence Imre, der acht Tore erzielte und mit beeindruckendem Tempospiel glänzte. In Erinnerung wird allerdings auch sein kurioser Siebenmeter bleiben, den Schwedens Ex-Kieler Andreas Palicka in der 20. Minute nicht nur hielt, sondern mit beiden Händen fing. Bence Imre steckte die Szene aber schnell weg, antwortete mit Toren am Fließband.
Kroatien siegt gegen Domen Makuc' Slowenen
Die Slowenen haderten im Balkan-Duell gegen Kroatien mit einem Fehlstart, lagen nach zehn Minuten mit 1:5 Toren zurück und schleppten diesen Ballast nahezu durch die gesamte Partie. THW-Kreisläufer Veron Nacinovic, der von Kroatien-Coach Dagur Sigurdsson wieder in den Kader beordert worden war, traf zum 2:0, musste dann aber nach zwei (fragwürdigen) Zeitstrafen Mitte der ersten Halbzeit auf der Bank Platz nehmen. Bester Feldspieler auf dem Parkett war wieder einmal Domen Makuc, der im Sommer vom FC Barcelona zum THW Kiel wechselt. Der Slowene war unermüdlicher Antreiber, ein kluger Spielmacher und mit sechs Toren neben Domen Novak auch bester Torschütze in seinem Team. Am Ende aber hatten die Kroaten nach turbulenter und von vielen Fouls geprägter Partie die Nase vorn, können am Mittwocg mit einem Sieg über Ungarn den Halbfinal-Einzug perfekt machen
Schweiz mit Remis gegen Favorit Island
Eine wahre Torflut erlebten die Zuschauer beim 38:38 zwischen Island und den Schweizern um THW-Kreisläufer Lukas Laube. Die Eidgenossen boten den favorisierten Isländern ein Spiel auf Augenhöhe, gingen durch Leopold 40 Sekunden vor dem Abpfiff in Führung und kassierten erst in der Schlusssekunde den Ausgleich durch Kristjansson. Lukas Laube, der fünf Tore zum Remis beisteuerte, freute sich unbändig über die gelungene Überraschung: "Wir wollten Emotionen ins die Partie bringen, das ist uns vollauf gelungen. Wir haben gekämpft, bis die Socken gequalmt haben."
Dramatik pur am letzten Hauptrunden-Spieltag
Am letzten Hauptrunden-Spieltag kommt es am Mittwoch zu folgenden Paarungen: Slowenien trifft auf Island (15:30 Uhr, live bei Dyn und unter www.zdf.de), Kroatien spielt gegen Ungarn (18 Uhr, live bei Dyn und unter www.zdf.de) und die Schweiz gegen Schweden (20:30 Uhr, live bei Dyn und unter www.sportschau.de). Einen Sieg gegen die Schweiz vorausgesetzt, müssen die Schweden um den Kieler Eric Johansson auf Patzer von Island oder Veron Nacinovics Kroaten hoffen, um den Einzug ins Halbfinale am Freitag zu schaffen.












