
Viel Humor und tolle Themen: Kaffeeklatsch mit den Legenden Horst Hrubesch und Patrick Wiencek begeisterte
Ein Höhepunkt vor dem eigentlichen Sonntags-Highlight? Beim THW Kiel ist alles möglich. Und so konnten sich die Kieler Fans am Sonntagnachmittag einen besonderen Programmpunkt im VIP-Raum Dänemark hinzubuchen: Bevor die Zebras gegen den Handball Club Hamburg um Tore und Punkte kämpften, gab es beim "Kaffeeklatsch" mit den Horst "Hotte" Hrubesch (75) und Patrick Wiencek (37), mit viel Humor besprochene Themen. Rund 150 Fans lauschten gebannt, wenn die beiden Sport-Legenden sprachen. Genossen bei der von St. Pauli Coffee präsentierten Veranstaltung Kaffee und Kuchen satt, ehe Autogramme und Fotos mit den Legenden auf dem Programm standen. Eine Kombination, die ankam: Am Ende gab es für die von Späßen garnierten Ausführungen und die entspannte Stimmung viel Applaus von den Fans.
Kopfballungeheuer trifft Abwehr-Giganten
Um die unzähligen Erfolge des Duos Hrubesch/Wiencek aufzuzählen, hätte die Veranstaltung wahrscheinlich schon am frühen Morgen und nicht am Nachmittag beginnen müssen. Champions League-Triumph, Junioren-Weltmeister, Olympia-Bronze, allein sechs deutsche Meisterschaften und fünf Pokalsiege in 596 Pflichtspielen für und mit dem THW Kiel stehen in der Bilanz des in Duisburg geborenen inzwischen 37-jährigen ehemaligen Kreisläufers und Abwehr-Giganten Patrick Wiencek. Der in Hamm aufgewachsene geborene Horst Hrubesch erwarb seine Meriten auf dem grünen Rasen, erzielte in 224 Fußball-Bundesligaspielen 136 Tore, feierte drei deutsche Meisterschaften mit dem HSV, wurde mit den Hanseaten Europapokalsieger der Landesmeister, schoss und köpfte als Nationalspieler beide Tore beim 2:0-EM-Finalsieg 1980 gegen Belgien, wurde im DFB-Trikot zudem Vize-Weltmeister und feierte später als verantwortlicher Trainer alle Medaillenfarben mit Jugend-, Männer- oder auch Frauenteams.
Zwei Ruhrgebiets-Größen sind überzeugte Norddeutsche
Horst Hrubesch war übrigens ein Fußball-Spätstarter, spielte lange parallel auch Handball. Noch etwas Herausragendes: Drei deutsche Fußballer tragen unverwechselbare Beinamen: Es gibt den "Kaiser" Franz, den "Bomber" Gerd Müller und natürlich "das Kopfballungeheuer": Horst Hrubesch eben. Der 75-Jährige ist längst in Norddeutschland sesshaft geworden. Er lebte mit Ehefrau Angelika in seiner HSV-Zeit im Hamburger Randgebiet von Schleswig-Holstein, betrieb später eine Pferdezucht in der Lüneburer Heide und zog 2015 nach Boostedt bei Neumünster, "in die Nähe meiner Kinder und Enkel." Denn, Hrubesch wandte sich an Patrick Wiencek: "Du hast ja gesagt, Schleswig-Holstein sei das schönste Bundesland der Welt." Das habe er mit seiner Familie ebenfalls empfunden. "Nach Hamm wollten wir nicht zurück, es ist hier so wertvoll zu leben, vor allem auch wegen der Menschen."
Baumärkte und Angelleidenschaft
Wiencek nickte zustimmend. "Im Kopf wollte ich zurück nach Duisburg“, so die Kieler Handball-Legende, "aber schon nach zwei, drei Jahren war für mich klar, dass ich hierbleibe: Die Menschen sind einfach lockerer, harmonischer. Nicht ohne Grund leben meine Frau und ich bereits 14 Jahre hier und unsere beiden Kinder sind in Kiel geboren." Moderator Phillip Kamke hatte sich vorgenommen, Wissenswertes aus den beiden im Ruhrgebiet geborenen Sport-Stars herauszukitzeln. Das schaffte er spielend - auch, weil die Chemie zwischen Hrubesch und Wiencek offensichtlich stimme. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden ehemaligen Sportstars? Der interessierte Blick in Baumärkten. "Handwerk gehört zu mir, ich bastele zuhause viel herum, klappere Baumärkte ab und bin Rabattkönig", erzählte Patrick Wiencek und lächelte. Sein Gegenüber hob zustimmend den Daumen: "Ich weiß, wovon du sprichst." Und das Angeln? Der ehemalige Fußballstar ist bekannt für diese Leidenschaft, hat es sogar zum Buchautoren gebracht und ist weiterhin begeisterter Angler. "Beim Fußball hab' ich es leider nicht zum Weltmeister geschafft“, erwähnt "Hotte" mit einem Lächeln, "aber das hat mein Sohn beim Angeln vollbracht!"
Von Kevin Keegan und dem Spaß an der Arbeit
Im Berufsleben sei Spaß an der Arbeit besonders wichtig, um voranzukommen, warf Horst Hrubesch ein. Für ihn habe Kevin Keegan auch deshalb absoluten Vorbildcharakter gehabt, betonte Hrubesch. "Er war ein überragender Fußballer und vor allem ein großartiger Mensch. Einer, der mich mit am meisten fasziniert hat, Vorbild für alle war. Für Kevin gab es im Training und Spiel nur 100 Prozent, danach hat er sich um seine Mitspieler gekümmert. Ehrlich und aufrichtig. Für mich unvergessen dieser Mensch!" Er sei sich sicher, so Hrubesch weiter, dass er in seinem Sportlerleben Einiges erreicht habe, weil er mit Spaß bei der Sache, bei der Arbeit gewesen sei. Und das hat sich bis heute nicht geändert: "Ich bin immer noch dabei, weil ich Spaß habe, an dem was ich mache. Deswegen gebe ich gerne Hilfestellungen." Sagte es, genoss den langanhaltenden Applaus und machte sich gemeinsam mit Patrick Wiencek auf die Selfie- und Autogrammtour durch das größte Kaffeeklatsch-Wohnzimmer Deutschlands.
Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn












