ZEBRA: "Wie alles begann": Dule, der stolze Kämpfer

Weitere
Dienstag, 09.07.2019 // 14:26 Uhr

Auch Zebras haben einmal klein angefangen. In der Serie "Wie alles begann" berichten die Profis des THW Kiel, wie sie zum Handball gekommen sind und ihre steilen Karrieren ins Rollen gebracht haben. Domagoj Duvnjak erzählt, wie er zum Handball gekommen ist und verrät außerdem, in welchem Beruf er sich sonst gerne gesehen hätte.

"Habe jedem meiner Trainer viel zu verdanken"

Wenn Kiels Kapitän Domagoj Duvnjak über die sportliche Seite seiner Heimat Kroatien spricht, klingt in jedem Wort Stolz mit: "Wir in Kroatien sind eine richtig Sportnation." Und tatsächlich: Das etwas mehr als vier Millionen Einwohner zählende Land auf dem Balkan hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Spitzenathleten hervorgebracht. So wie Janica Kostelic im Skifahren, die Hochspringerin Blanka Vlasic oder Luka Modric, erster kroatischer Weltfußballer. Und auch Domagoj Duvnjak zählt zu den internationalen Sportgrößen mit kroatischen Wurzeln. "Die Leute lieben uns Sportler und sind sehr stolz auf uns, das ist ein richtig schönes Gefühl. Ich hoffe, dass dies so bleibt, denn wir haben viele Talente, nicht nur im Handball", wagt Duvnjak einen Blick in eine rosig ausschauende Zukunft. 

Duvnjak, der 2013 zum Welthandballer geadelt wurde, begann seine Karriere mit sieben Jahren bei seinem Heimatverein RK Dakovo im Osten des Landes. Dort lernte er das Handballspielen von der Pike auf und debütierte im jungen Alter von nur 16 Jahren in der ersten kroatischen Liga. Im Gegensatz zu vielen seiner Teamkollegen teilte "Dule" seine Freizeit als Kind nicht unter mehreren Sportarten auf. "Ich komme aus einer kleinen Stadt, in der es nur Handball gibt. So war es auch bei mir", berichtet er. Und dieser Fokus zahlte sich für ihn früh aus. "Mit 18 Jahren spielte ich dann bereits für RK Zagreb in der Champions League." Mit dem kroatischen Vorzeigeklub gewann er unter anderem drei Meisterschaften, ehe er sich 2009 dem HSV Hamburg anschloss, zum Weltklassespieler reifte und 2014 schließlich Teil des THW Kiel wurde. Auch, wenn Domagoj Duvnjak mittlerweile längst im Konzert der ganz Großen mit den Ton angibt, weiß der Regisseur, wer bis heute einen großen Anteil an seiner Karriere hat. "Ich habe jedem meiner Trainer viel zu verdanken. Jeder Trainer ist anders, und ich habe von jedem etwas mitgenommen."

"Wäre gern Sportlehrer geworden"

Erfolgreich: Domagoj Duvnjak mit dem EHF-Pokal

Heute ist er ein hochdekorierter Handballer, doch Domagoj Duvnjak hätte sich auch eine Karriere auf einem anderen Gebiet vorstellen können, wie er erzählt: "Mein Vater ist Sportlehrer, das war früher auch mein großer Berufswunsch. Ich hatte damals allerdings schon zwei Mal pro Tag Training und daher leider keine Zeit für ein Studium." Sportlehrer ist er zwar nicht geworden, doch trotz allem wurde er zu einer Respektsperson und einem Vorbild, nicht nur für den Nachwuchs. Ein gravierender Unterschied zum Lehrerdasein ist das fleißige Autogramme-Schreiben nach den Partien mit den Zebras und der kroatischen Auswahlmannschaft - für Duvnjak eine Ehrenrunde im besten Sinne des Wortes. "Ich freue mich immer besonders,wenn Kinder nach den Spielen zu mir kommen. Das ist immer ein richtig schönes Gefühl", lässt Duvnjak uns an den Momenten nach dem Abpfiff teilhaben. "Ich genieße es nach jedem Spiel, einfach da zu sein." 

Domagoj Duvnjak, der stolze und stets faire Kämpfer, zerreißt sich auf dem Feld für seine Mannschaft. Dabei geht sein Einsatz oftmals über die eigene Schmerzgrenze hinaus. Diese Einstellung und sein Charisma machen ihn zweifelsohne zum Vorbild der eigenen Mitspieler - und vieler kleiner Handballerinnen und Handballer. Doch auch Duvnjak weiß noch von den Helden seiner Kindheit zu berichten: "Ich habe mir früher schon sehr viel Sport angeschaut und viele Vorbilder gehabt. Zum Beispiel Drazen Petrovic, der leider früh verstorben ist." Der Kroate war in den späten 80er und frühen 90er Jahren ein großer Basketballstar, der es sogar bis in die NBA schaffte. Er verstarb 1993 mit 28 Jahren in Folge eines Autounfalls. "Ich habe immer Helden gehabt. Bei uns in Kroatien gab es auch damals schon viele bekannte Fußballer." Die auch heute noch erfolgreichen kroatischen Fußballer schwammen im vergangenen Jahr auf einer Welle der landesweiten Euphorie bis ins WM-Finale, die Handballer hatten schon 1996 in Atlanta erstmals olympisches Gold gewonnen, die legendäre Generation um Ivano Balic und Mirza Dzomba wiederholte dieses Kunststück 2004 in Athen, nachdem sie 2003 in Portugal erstmals auch Weltmeister geworden war - für den jungen Duvnjak, der mit vielen seiner Helden noch in Zagreb und später dann in der Nationalmannschaft zusammenspielte, eine Inspiration. So wurde Duvnjak mit Kroatien unter anderem Vize-Welt- und Europameister und gewann bei den Olympischen Spielen die Bronzemedaille.

"Verlieren ist weiterhin keine Option"

Dule geht dahin, wo es richtig weh tut

"Bei uns in Kroatien ist Handball sehr populär, das kommt mit Sicherheit auch durch die großen Erfolge in den vergangenen Jahren. Ich hoffe, dass dadurch noch mehr Kinder zum Handball kommen, weil das ein richtig toller Sport ist", weiß der 30-Jährige um die Kraft, die besonders die großen Erfolge der Nationalmannschaften haben können. Aber auch die Triumphe, die Domagoj Duvnjak mit dem THW Kiel feiern konnte, lassen sich durchaus sehen. So wurde er mit den Zebras bereits Deutscher Meister, Pokal- und EHF-Pokalsieger. Seit 2016 ist er zudem Kapitän des Rekordmeisters und -pokalsiegers - der erste überhaupt aus Kroatien.

Domagoj Duvnjak hat in seiner Karriere schon einiges miterlebt - und in den vergangenen Jahren einige Änderungen an sich festgestellt. "Früher war ich nach einer Niederlage immer schlecht drauf. Aber inzwischen habe ich gelernt, dass das Sport ist", gibt Domagoj Duvnjak einen kleinen Einblick in sein Seelenleben. "Natürlich will ich, wie jeder andere Sportler auch, immer jedes Spiel gewinnen, aber das ist ja nahezu unmöglich. Ich glaube, ich bin dahingehend etwas ruhiger geworden - wenngleich verlieren weiter keine Option für mich ist."

(Von Rika Finck, aus dem Arena-Magazin "ZEBRA")