KN: Die „Wilde 13“: Ostern gegen Szeged

Champions League

KN: Die "Wilde 13": Ostern gegen Szeged

Paris. Mit einer halben Stunde Verspätung hob der Tross des THW Kiel am Montag um 13.30 Uhr vom Flughafen Charles de Gaulle in Paris in Richtung Heimat ab. Im Gepäck: ein Punkt, errungen beim 29:29 gegen Paris Saint-Germain, der sich als Energieschub für das Selbstvertrauen der Zebras erwiesen, das Tableau des Champions-League-Achtelfinales für die Europäische Handballföderation (EHF) aber noch einmal gehörig durcheinandergewirbelt hat.

THW Kiel zwischen Paris-Coup und Achtelfinale

Ohne Fünf war die "Wilde 13" von der Förde an die Seine gereist, und irgendwie waren alle Beteiligten nur von begrenzten Chancen ausgegangen, Punkte aus dem Stade Pierre de Coubertin zu entführen. Doch die Kieler rückten die 24:42-Demütigung von vor einem Jahr im eigenen Bewusstsein weit in den Hintergrund und glaubten auch nach dem 11:16-Pausenrückstand an sich. "Fünf Tore im Handball sind nichts", gab Schweden-Youngster Lukas Nilsson verschmitzt zu Protokoll. "Weiterspielen, 30 Minuten ruhig weiterspielen, das war unser Plan." Und das tat der THW gegen ein Pariser Dreamteam, das zwar eine Größe wie Daniel Narcisse schonte, aber seinen Heimnimbus in dieser Saison - in der Arena im Vorort Boulogne-Billancourt konnte noch keine Mannschaft etwas Zählbares erringen - wahren wollte. Mit dem kraftstrotzenden Fuß auf dem Gas konterkarierte PSG ein wenig auch die offensichtliche Amtsmüdigkeit seines Trainers Noka Serdarusic. Der 67-Jährige freue sich auf Tochter und Enkelkind in Hamburg, wohin es den ehemaligen Kieler Erfolgstrainer nach Auslaufen seines Vertrages in diesem Sommer ziehen werde. Dann stehen die Zeichen auf Karriereende. "Ich werde kein Angebot mehr annehmen."

Seine Spieler ließen sich im zweiten Abschnitt von Andreas Wolff im Kieler Tor, einer konsequenten Gangart defensiv starker Kieler und einer wilden Partie aus dem Konzept bringen. Am Ende kochten auch Mikkel Hansen, Nikola Karabatic und Co. nur mit Wasser. Sogar ein Sieg war am Ende greifbar nah, hätte aber an Platz vier nichts mehr geändert. "Wir hatten uns vorgenommen, genauso hart zu spielen wie Paris, egal, ob wir Zeitstrafen kassieren oder nicht. Das war heute eine unglaubliche Charakterleistung", schwärmte Gislason. Als sich alles längst auf ein deutsch-deutsches Duell zwischen Zebras und Löwen eingestellt hatten, kam nun also die "Wilde 13" und stellte alles auf den Kopf. Statt Rhein-Neckar Löwen und Heimrecht im Hinspiel nun also der ungarische Vertreter Pick Szeged und Heimrecht im Rückspiel. "Drei Spiele gegen die Löwen innerhalb einer Woche wären auch nicht schön gewesen. Aber jetzt geht es erst einmal darum, die Mannschaft angesichts der vielen Verletzten wieder zusammenzubekommen. Szeged spielt einen schönen, spanischen Handball. Das wird interessant", blickte Gislason voraus. "Das Wichtigste an dem Punktgewinn ist jetzt, dass wir das Rückspiel zu Hause haben", ergänzte Rechtsaußen Ole Rahmel. "Die Löwen und wir kennen uns sehr gut, aber Szeged wird unangenehm. Dass wir Ostern jetzt zu Hause sind, ist ein schöner Nebeneffekt, dann können wir Ostern mit der Familie ein bisschen genießen", sagte Patrick Wiencek.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Rückspiel in Kiel am Osterwochenende ausgetragen. Am Donnerstag (29. März) spielt der THW in eigener Halle gegen den VfL Gummersbach, am Karfreitag dürfen keine Sportveranstaltungen angesetzt werden, also bleiben der Sonnabend und Sonntag als mögliche Termine. Bezüglich des Hinspiels zwischen dem 21. und 25. März haben die Gespräche aller Verantwortlichen bereits begonnen.

Immerhin, zweimal - im Viertelfinale 2015 und im Achtelfinale 2016 - zog der THW in Szeged den Kürzeren, durch einen deutlichen Heimsieg aber jeweils doch in die nächste Runde ein. Marko Vujin, der am Sonntag in Paris mit elf Toren überragte ("Ich habe elf Tore gemacht, ja, aber erstens habe ich sehr viel gespielt und zweitens hatte ich sehr, sehr viel Hilfe von meinen Mitspielern") und insgesamt sechs Jahre in Ungarn für Telekom Veszprém spielte, freut sich auf die neue Konstellation: "Gegen Szeged hatte ich immer Erfolg - mit Veszprém und mit Kiel. Außerdem habe ich mir einfach lieber Szeged und dann hoffentlich Skopje im Viertelfinale gewünscht als die Löwen und dann Paris.2 Im Falle eines Sieges würde der THW im Viertelfinale auf Titelverteidiger Vardar Skopje treffen.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 06.03.2018, Foto: star)